Rodriguez Rabanal: Nein. Eine so wichtige Entscheidung wäre ganz anders angekündigt worden. Aber Cerpa kann nicht wirklich hoffen, daß er die Freilassung aller Gefangenen erreicht.

ZEIT: Kann Fujimori auf die Forderung nach Freilassung der Gefangenen überhaupt eingehen?

Rodriguez Rabanal: Nein. Es wäre eine Katastrophe für die Peruaner, wenn alle gewalttätigen MRTA-Häftlinge, die Menschen entführt und ermordet haben, morgen freikämen. Aber ein Dialog muß stattfinden.

ZEIT: Wie berechtigt ist denn die Kritik an den Haftbedingungen der MRTA-Guerillas?

Rodriguez Rabanal: Sie ist absolut berechtigt - das geben auch alle zu. Der Grund für die unmenschliche Behandlung der MRTA-Leute liegt darin, daß sie sich geweigert haben, mit Fujimori ein "Friedensabkommen" zu unterzeichnen - anders als Abimael Guzmán, der inhaftierte Sendero-Führer. Nachdem er das Abkommen unterschrieben hatte, wurden die Haftbedingungen der Sendero-Guerilleros erheblich erleichtert: Guzmán hat sogar eine Sitzung des Sendero-Zentralkomitees im Gefängnis abgehalten.

ZEIT: Gibt es in Lateinamerika Beispiele für eine erfolgreiche Integration von Guerillabewegungen?

Rodriguez Rabanal: In Guatemala und in El Salvador sitzen heute frühere Guerilleros neben ihren einstigen Folterern im Parlament.