Kein anderes Volk in Europa benutzt seine Eisenbahn mit ähnlich glühender Leidenschaft wie die Schweizer. Die wichtigen internationalen Alpenquerungen am Gotthard (1882 vollendet) und Simplon (1905), spektakuläre Zahnradbahnen wie der Glacier-Express von Zermatt nach Sankt Moritz (1930) und die Jungfraubahn mit ihrem 3454 Meter hoch gelegenen Gipfelbahnhof (1912) faszinieren bis heute Reisende aus aller Welt: Sie bieten einzigartige Ausblicke in die Bergwelt und legen Zeugnis vom Wagemut und der Tüchtigkeit Schweizer Ingenieure ab.

Im kommenden Jahr feiern die Eidgenossen den 150. Geburtstag der ersten Schienentrasse von Zürich nach Baden. Die sogenannte Spanisch- Brötli-Bahn nahm am 8. August 1847 den Betrieb auf. Schon jetzt ist der offizielle Jubiläumsband Bahnsaga Schweiz - 150 Jahre Schweizer Bahnen von Heinz von Arx, Peter Schnyder, Hans Wägli (AS Verlag & Buchkonzept, Zürich 1996, 328 S., 128 Mark) erschienen.

Das reichbebilderte Buch versteht sich als Kultur-, Wirtschafts- und Technikgeschichte und schwelgt erst in zweiter Linie in Eisenbahnfolklore.

So vertritt die Historikerin Barbara Graf im Kapitel "Motor für Wirtschaft und Handel" die These, daß gerade die Finanzierung des engmaschigsten Bahnnetzes der Welt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Basis für den späteren Aufschwung des Schweizer Bankgewerbes gelegt habe.

Allein die Alpenquerung am Gotthard, an deren Kosten sich auch das Deutsche Reich beteiligte, verschlang bis zu ihrer Realisierung im Jahr 1882 mehr als 200 Millionen Franken. Der Bau des fünfzehn Kilometer langen Tunnels, der bis heute das Rückgrat des transalpinen Schienenverkehrs darstellt, kostete 146, vor allem italienische, Arbeiter das Leben.

Dokumentiert ist in der "Bahnsaga Schweiz" auch die Werbeschrift, die der Luzerner Dichter Carl Spitteler 1894 für die Gotthardbahn verfaßte: "Was nun die berühmten Kehrtunnels betrifft, soll ich die tausendundeinmal beschriebenen zum tausendundzweitenmal beschreiben?

Die verblüffenden Wurmwindungen der Fahrt? Das rastlose Hin- und Hersuchen der Lokomotive thalauf und thalab, als hätte sie ihr Schnupftuch verloren? Das plötzliche Auferstehen auf einer höheren Brücke, wo wir, auf die untere hinabblickend, nicht mehr wissen, sind wir's oder sind wir's gewesen?"