Wie die zwei darauf gekommen sind, Fabelwesen zu erfinden? Wohl nicht anders als weiland Christian Morgenstern mit seinem Nasobem: eines Tages, plötzlich und nach und nach wurden es immer mehr davon. Daß diese dreizehn "Monster" nun in der Berliner Architekturgalerie Aedes East in den Hackeschen Höfen ausgestellt sind (bis zum 19. Januar), liegt daran, daß die Schöpfer dieser wunderlichen Geschöpfe Architekten sind: die Grazer Eheleute Karla Kowalski und Michael Szyszkowitz, deren Bauwerke in Österreich (und nun auch hierzulande) einen großen Ruf haben. Ihre Fabelwesen heißen (tatsächlich) Nasobem sowie Löwin, Junges Schwein und Fremder Hund, Mützenhund und Stehender Bär, und Raben gibt es mehrere. Denn weder gleicht ein Rabe dem anderen noch die anderen Figuren jenen Tieren, die wir unter ihrem Namen kennen. Aber ähnlich sind sie ihnen schon, diese sanftmütigen Ungeheuer, aus Ton geformt, glasiert (von ihr) und gebrannt, auf feine bizarre Gestelle gestellt (von ihm), so daß man ihnen allen in die redseligen Augen sehen kann. Man sieht diesen bezaubernden, anrührenden, komischen Geschöpfen der Einbildung das Vergnügen an, das die bildhauernde Architektin mit den Köpfen, den bewegten Landschaften ihrer Körper, der Häute, Felle, Panzer, den Augen hatte, der Architekt mit den filigran verschlungenen Unterbauten. Tröstlich, denkt man, daß die beiden Grazer in Zeiten, da kaum jemand Zeit findet, Zeit hat für Märchenfiguren. Es gibt einen Katalog, in dem die Galeristin und Walter Jens zum Thema fabulieren. Und einen anderen, der eine Ausstellung in der Dependance, bei Aedes West am Savignyplatz (bis 14. Januar), begleitet. Sie gibt Kunde vom kunstvollen Hunde, dargestellt von der Bildhauerin Gabriele Schnitzenbaumer, und seinen Häusern "vom Tempelgrab zur Hütte", mitgeteilt von dem Architekten Andreas Brandt. Sehr originell.