DF 1 ist kein neuer Sender. DF 1 ist das neue Fernsehen." So hatte der Münchner Medienmogul Leo Kirch im Juli seinen Start ins digitale Fernsehen verkünden lassen. Neu ist vor allem, daß der Zuschauer erst mal einen Dekoder kaufen muß (rund 900 Mark) und den an sein TV-Gerät, ans Telephon und an die Satellitenschüssel anschließen muß. Und das neue Fernsehen kostet noch mehr Geld: für Filme der alten Art aus Kirchs großem Fundus und ein bißchen Sport zwischen zwanzig und vierzig Mark neue Filme, die im Pay-per-view-Verfahren abgerufen werden können, kosten noch mal sechs Mark extra. Neu ist auch, daß der Zuschauer sich sein Programm selbst zusammenbasteln kann - aus den Paketen, die er abonniert hat. "Das Fernsehen", so spottet denn auch RTL-Chef Helmut Thoma, "bleibt im großen und ganzen das Altherbekannte." Schließlich sei es den Leuten egal, ob ihr Programm digital oder analog ins Haus komme.

Egal ist den Leuten das ganze "neue Fernsehen" offenbar wirklich - sie haben schon von dem alten mehr als genug. Mehr als dreißig Kanäle stehen ihnen nach Zahlung von Fernseh- und Kabelgebühren zur Wahl, mit stets den gleichen Zutaten: Film, Serien, Dokumentationen, Talk und Tamtam. Ende dieses Jahres lag Kirch denn auch zu gut neunzig Prozent unter Plan: 200 000 Abonnenten wollte er eingesammelt haben, 20 000 wurden es, und die Konkurrenz zählt sogar nur 5000.