Kleine Mädchen haben manchmal große Träume - und wenig Selbstvertrauen. Sie wollen gern das Beste in der Welt, ein bißchen Glanz, ein bißchen Glamour, ein bißchen Macht vielleicht. Ehrenamtlich sozusagen.

Und weil das vielversprechendste aller Ehrenämter die Ehe ist, verschlägt es sie beizeiten an die Seite eines Mannes von (vermeintlicher) Statur.

Als bessere Hälfte sind sie fortan zuständig für alles, was keinen Profit, aber reichlich Lorbeer bringt. Der weibliche Breitensport ist die Karitas, das Ausbügeln sämtlicher Sündenfälle der Menschheit.

Wo die Männer lukrative und schon mal schmutzige Geschäfte tätigen, putzen die Frauen mildtätig hinterdrein. Willig schultern sie fremde Versagensängste und Krisen, stützen ihr gebeuteltes Alter ego und stecken in Studium und Karriere zurück. Daß die Arbeitsteilung ihnen schlecht bekommt, begreifen sie meist zu spät.

Diese bittere Lektion hat auch Hiltrud Hensen lernen müssen: Sie "wollte einen Revolutionär" und bekam statt dessen den Politiker Gerhard Schröder. Dennoch versah sie ihre o. g. Aufgaben ganz patent. Dem Herrn Gemahl war's angenehm, er sparte nicht mit öffentlichem Lob und Gunstbezeigungen für seine Angetraute. Als er sie aus dem Amt entließ und ihre Nachfolgerin kürte, geriet auch das zum Publikumsspektakel.

"Auf eigenen Füßen" also fand sich Hiltrud Schröder wieder. Nun protokolliert sie trotzig ihre Erfahrungen als stille Teilhaberin der Macht. Wer süffige Feuilletons schreibt oder ein lästerliches Schandmaul pflegt, hat einen guten Stand in diesem Genre. Hiltrud Schröder dagegen ist eine charmante und ziemlich moralische Person.

Ironie ist ihre Sache nicht, und Bosheit ist es - mit ein, zwei Ausnahmen - noch weniger. Weshalb sie auch die wunderlichsten Figuren und Ausgeburten des political business, "Damenprogramm" wie Pressebälle eingeschlossen, ohne viel Federlesens in die Kulissen schiebt.