Fast alle Versuche, den tropischen Regenwald zu retten, scheitern", schrieb die ZEIT vor fünf Jahren. "Ausgerechnet ein vom Daimler-Benz-Konzern gefördertes Experiment könnte im Jahr der Weltumweltkonferenz einen neuen Weg weisen, die Rodung der Urwaldriesen zu verhindern."

Damals hatte Poema, das Programa Pobreza e Meio Ambiente na Amazonia (Programm Armut und Umwelt in Amazonien), gerade begonnen. Inzwischen hat Daimler-Benz knapp zwei Millionen Mark investiert, und zu Poema, das an der Universität Belém angesiedelt ist, gehören Projekte in 35 Gemeinden.

Von der Millionenstadt Belém tuckern Boote über den lehmbraunen Amazonas nach Ponta de Pedras. Nach einigen Minuten Busfahrt steht der Besucher in Praia Grande vor einer halboffenen Scheune. Zwei alte Dieselmotoren rattern vor sich hin, in einer Ecke kurbelt jemand an einer ausgedienten Hinterachse. Hier drehen Mitglieder der Gemeinde die Fasern von Kokosnußschalen zu langen Zöpfen.

Die wandern anschließend nach Ponta de Pedras ins Centro de Industrializaçao de Produtos Ecologicos da Amazonia. Hinter dem Schild mit dem hochtrabenden Namen verbirgt sich eine Halle, in der zwei Arbeiter aus den Zöpfen Polster für Kopfstützen basteln. Mercedes-Benz do Brasil (MBBras) kauft sie für rund 4,50 Mark das Stück und karrt sie per Lastwagen 4000 Kilometer nach Süden, in ein Werk nahe Sao Paulo. Dort montieren Arbeiter die Kopfstützen ins Führerhaus eines Lastwagens.

Kokos zur Polsterung ist nichts Besonderes. Aber die Kokosnüsse, die MBBras zu Kopfstützen verarbeiten läßt, stammen nicht von herkömmlichen Plantagen, sondern aus "nachhaltiger Bewirtschaftung", wie es auf Ökonesisch heißt.

In Praia Grande, einen Steinwurf von der Scheune mit den zwei Dieselmotoren entfernt, befand sich einmal eine Kokosplantage.

Doch Schädlinge setzten der Monokultur arg zu, gleichzeitig wurde der Boden schlechter, der Ertrag sank ins Bodenlose. Inzwischen haben die Mitglieder der Kooperative unter der Anleitung von Poema-Leuten zwischen die hohen Kokosstämme Kaffee, Zitrusfrüchte, Bananen und zahlreiche andere Früchte gesetzt. Sie sollen in Etagen wachsen, sich gegenseitig beschatten und düngen, ganz wie im richtigen Regenwald. "Das hier gibt den obersten Stock", erläutert Henrique Gouvea, Sekretär des Bezirkspräfekten, und zeigt auf einen dünnen, gut mannshohen Trieb: einen Jaca-Baum, aus dessen Früchten eines Tages Saft, Eis und Marmelade gemacht werden sollen. In zehn Jahren soll er zwanzig Meter hoch gewachsen sein.