Am Ende siegte der Pragmatismus. Sagen die Realisten. Ein Triumph des Opportunismus. Klagen die Idealisten.

Mit der Formel "Einbindung statt Eindämmung", ersonnen von der amerikanischen Diplomatie, nahm der Westen im vergangenen Jahr endgültig Abschied von der Illusion, er könne China seine Vorstellungen davon aufzwingen, wie die Macht mit den Menschen umzugehen hat.

Noch einmal elf Jahre Haft für den jungen Bürgerrechtler Wang Dan und nichts als ein paar verdruckste Kommentare zum Todesstoß für die chinesische Demokratiebewegung. Tief beugte der Westen den Rücken zum Kotau.

Kaum hatte der Bundestag seine Tibet-Resolution verabschiedet, bemühte sich die Bonner Regierung händeringend um Schadensbegrenzung.

Bill Clinton, der seinen ersten Präsidentschaftswahlkampf noch mit markigen Worten gegen das Kuschen vor der Pekinger Tyrannei geführt hatte, verabredete mit seinem Amtskollegen Jiang Zemin nun gegenseitige Staatsbesuche.

Man arrangiert sich, und das nicht ohne Grund. Schon in einem Vierteljahrhundert könnte China über die größte Volkswirtschaft der Welt gebieten, zweite Supermacht neben Amerika sein.

"China kann nein sagen" heißt der Titel eines Bestsellers des abgelaufenen Jahres fünf junge Autoren fordern darin, dem verderblichen Einfluß des Westens Einhalt zu gebieten. So krude ihre Argumentation sein mag: Die Saat des Nationalismus fällt auf fruchtbaren Boden.