ARD, Mittwoch, 25. 12., und Donnerstag, 26. 12.: "Königskinder"

Zum Fest wollte man echten Glanz in die deutschen Wohnstuben senden, was Beßres als den Lametta-Talmi am Christbaum. Also ließ man nachschauen, wie es die Majestäten halten, ob nicht da, wo noch Throne bestiegen und Kronen vererbt werden, wahre Würde und politische Bedeutung zu finden seien. Royalties-Reporter Ralf Seelmann-Eggebert hat sich zusammen mit István Bury aufgemacht, um Kronprinz Haakun von Norwegen und Prinzessin Sirindhorn von Thailand dem deutschen Fernsehvolk näherzubringen. Und wirklich, man fand Uniformen, Fahnen, Paraden und Feuerwerk. Nur mit der Bedeutung haperte es.

Wenn die sogenannte Yellow press über die Affären der Blaublütler klatscht, muß ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender da nicht mittun. Und selbstverständlich waren die beiden Reportagen absolut seriös, referierten den tadellosen Lebensweg des hohen Norwegers, seine sportlichen Ambitionen (Wildwasserkanu), seine literarische Bildung (Ibsen) und sein kürzlich begonnenes Studium in Berkeley (Politologie) zeichneten die Karriere der thailändischen Königstochter nach, ihre Volksnähe, ihre diplomatische Gewandtheit, ihre Ähnlichkeit mit dem beliebten Vater (König Bhumipol). Aber was haben diese Filme alles mitzuteilen, abzuklopfen, herauszuarbeiten versäumt!

Erstmal ist es ja ein Phänomen für sich, daß die Aristokratie so langlebig und offenbar aus der Politik nicht wegzukriegen ist, darüber hätte man doch ein Wörtchen reden müssen. Zum zweiten wäre an diesen beiden Weihnachtsabenden, wo man einen Prinzen und eine Prinzessin im Doppelpack zur Verfügung hatte, eine Verbindung herzustellen gewesen zwischen beiden Filmen beziehungsweise danach zu fragen, was ein Königshaus in einer stabilen Demokratie und was es in einer korrupten Oligarchie für Aufgaben hat, was für Traditionen es tragen, was für Gefahren ihm drohen. Auffällig war, daß in beiden Fällen die Hoheiten vor allem militärische Schulung erhalten. In Thailand gilt das für den Bruder der populären Sirindhorn, die aber immerhin an der Militärakademie Vorlesungen hält. In Nordeuropa wie in Fernost müssen die Thronfolger lernen, mit dem Fallschirm abzuspringen, Düsenjäger zu fliegen und Garnisonen zu inspizieren, so als würden sie, im Falle eines Falles, ihr Land durch persönlichen Einsatz retten. Wahrscheinlich stammt der obligatorische Prinzendrill tatsächlich aus dieser alten Würde der Königshäuser: für militärischen Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Mit den modernen Volks- und Berufsarmeen und deren Technifizierung sank ihr Stern - der Rest ist Lametta-Talmi. Aber diese wenigen geschichtlich interessanten Einsichten mußte man sich aus den Reportagen selbst herausgeheimnissen, der unaufhörlich plappernde Kommentar lieferte dazu nicht die leiseste Anregung. Statt dessen erging er sich, ganz wie die Yellow press, im Allzupersönlichen.

Dabei kam aber doch etwas Hübsches heraus. Prinz Haakun teilt in Berkeley, wie alle Studenten, die Bude mit einem Kommilitonen.

Was der denn dazu gesagt habe, als er erfuhr, daß er mit dem Kronprinzen von Norwegen in einem Zimmer schläft? Als Amerikaner hat er bemerkt: "Gibt's denn da noch 'n König?" Gute Frage. Sie wäre brauchbar gewesen als Leitlinie - für beide Sendungen.