Sieben Jahre sind ins geteilte Land gegangen, und die Deutschen verstehen sich nicht. Am wenigsten verstehen sich die Schriftsteller.

Zum Beispiel im Fall Stephan Hermlin. Der DDR-Literat hat seine Biographie frisiert, hat einen KZ-Aufenthalt hinzuerfunden. Der BRD-Journalist Karl Corino hat es herausgefunden. Reaktion im Osten: "Schnüffelei", "Zerstörungswut", "Spekulation auf antikommunistische und antisemitische Reflexe". Und Hermlin sibyllinisch: "Laßt die Wahrheit, nicht die Fakten siegen." In der DDR hießen Fakten: "Lügen im Umgang mit der Wahrheit".

Womit wir beim PEN wären, dessen Ost-Präsident die Fakten der Hermlin-Recherche kurzerhand zu Lügen erklärt hat. Der West-PEN, das ergab eine Urabstimmung unter den Mitgliedern, wünschte eine Vereinigung mit dem Ost-PEN. Im November wurde auf einer außerordentlichen Tagung ein vereinigungsfreundliches Präsidium gewählt - das vereinigungszögerliche trat zurück. Ausgerechnet die prominentesten Autoren des Clubs waren mit diesem Kurs nicht einverstanden und traten in Scharen aus.