Das Ereignis gehört zu den Schlüsselszenen der Wissenschaft. Applaus brandete auf, Lady Brewster fiel in Ohnmacht, und der Bischof von Oxford mußte einsehen, daß er verloren hatte. Sein Versuch, die Stimmung gegen die Evolutionstheorie zu schüren, war gescheitert.

Der Sieger stand fest: Thomas Henry Huxley (1825 bis 1895) ein Name, der fallen muß, wenn über wissenschaftliche Anthropologie gesprochen wird und über das Verhältnis von Theologie und Forschung.

Eigentlich hatte alles ganz harmlos begonnen. Die British Association for the Advancement of Science hielt im Juni 1860 einen Kongreß in Oxford ab. Im Verlauf der Tagung aber sprach sich herum, Bischof Wilberforce wolle Stellung zu Charles Darwins Gedanken nehmen.

Huxley, der ebenfalls in Oxford war, erfuhr davon nur durch Zufall. Er wollte eigentlich zu seiner Frau in die Nähe von Reading fahren, aber man bedrängte ihn zu bleiben - also blieb er.

Wilberforce war ein bekannter Mann, eine Säule der anglikanischen Kirche. Wegen seiner Redegewandtheit und seiner öligen Sprechweise nannte man ihn "Soapy Sam", aber das tat seiner Reputation keinen Abbruch. Niemand hätte besser als er zu Darwins ketzerischem Werk Stellung beziehen können, das ein halbes Jahr zuvor erschienen war. Allein das Gerücht, daß er kommen würde, führte dazu, daß über 700 Zuhörer in den Vortragssaal drängten. Daß die Sympathien hier in Oxford bei Bischof Wilberforce lagen, stand fest. Mehrere Sprecher wurden vom Publikum niedergebrüllt, als sie zu Darwin Stellung nahmen - man wollte den Bischof hören.

Charles Darwin war nicht dabei. Der Urheber einer der größten wissenschaftlichen Revolutionen war, wie fast immer, zu Hause in seinem Anwesen im Dörfchen Down südlich von London. Der Botaniker Joseph Dalton Hooker, Direktor der berühmten botanischen Gärten in Kew, schrieb ihm später, Wilberforce habe "eine halbe Stunde lang in seiner geistvollen Art mit unüberbietbarer Bösartigkeit, Hohlheit und Unfairneß" geschwafelt. Dennoch - die Rede des Kirchenmannes war zunächst ein glänzender Erfolg. Aber Wilberforce war so leichtsinnig, sich im Zusammenhang mit der Frage nach der Abstammung Huxley zuzuwenden und zu fragen - und es lohnt, sich den Wortlaut im Originalton auf der Zunge zergehen zu lassen: "I should like to ask Professor Huxley, who is sitting by me and is about to tear me to pieces when I have sat down, as to his belief in being descended from an ape. Is it on his grandfather's or his grandmother's side that the ape ancestry comes in?"

Wilberforce glaubte, Huxley damit ruhiggestellt zu haben. Tatsächlich aber hatte er sich ihm ausgeliefert. Huxley wartete, bis man ihn zu einer Stellungnahme aufforderte. Er ging in einigen Sätzen auf den Inhalt von Darwins Werk ein, und dann sagte er, "daß der Mensch keinen Grund hat, sich eines Affens als Großvater zu schämen.