Schlechte Nachrichten für die Minderheit von Unverbesserlichen, die Musik mit harten Beats immer noch für stumpfes Gehämmere hält, denn spätestens seit dem 13. Juli steht fest: Die Republik ist in den Händen der Technoiden. Eine dreiviertel Million halbnackter Jugendlicher demonstrierte in Berlin auf der Love Parade unter dem Motto "We are one family" zu den Klängen von DJ-Legenden Westbam, Sven Väth oder Carl Cox zuckend und stampfend "für Friede, Freude, Eierkuchen" (so der Vater der Love Parade, DJ Dr. Motte). Nix Politik, wir wollen Spaß, Spaß, Spaß, war die laute Botschaft der Massen, die in einer Woge des Glücks erstmals nicht auf dem Ku'damm, sondern Unter den Linden Richtung Brandenburger Tor rollten.

Aus allen Teilen des Landes hatten die Raver ihre fahrbaren Lautsprecheranlagen im Hausformat zum Volksfest der Tanzwütigen in die Hauptstadt geschickt, die drei Tage lang zum größten Dancefloor der Welt wurde. Einige Bundesbürger bemerkten das Spektakel zum ersten Mal, aber es war bereits die achte "Demonstration" (als solche ist sie offiziell angemeldet), bei der wieder alle Rekorde gebrochen wurden: Es kamen mehr Techno-Jünger als je zuvor, und eine noch gigantischere Medienmeute verbreitete das Spektakel teilweise live bis in den letzten Erdenwinkel. Da echte Szenegänger allergisch gegen events sind, bei denen sie nicht alle Teilnehmer mit Vornamen kennen, war für sie diese Love Parade der Beweis, daß der Untergang des subkulturellen Abendlandes unmittelbar bevorsteht. DJ Dr.

Motte plant derweil die Rettung der Menschheit durch mehr Techno und ganz viel Liebe. Sein Ziel: Jeder Kontinent soll eine eigene Love Parade haben.