Kritischer Dialog: Zurückzuführen auf einen Beschluß der EU-Regierungschefs aus dem Jahr 1992. Während die USA den Iran isolieren wollen, setzt Deutschland auf eine Strategie des Wandels durch Annäherung.

Doch Außenminister Kinkel sieht sich in der Zwickmühle: Sollte der "Mykonos"-Prozeß in Berlin mit einem Urteilsspruch enden, der Revolutionsführer Chamenei und Staatspräsident Rafsandschani der Beteiligung am Mord an vier kurdischen Oppositionellen auf deutschem Boden für schuldig erklärt, könnte ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen folgen.

Hat der "kritische Dialog" also versagt? So einfach ist das Urteil nicht. Teheran ist ein Ort der Widersprüche: einerseits Repression, andererseits vielfältiger Protest und differenzierte politische Opposition, getragen von Intellektuellen. Der Führung im Iran ist ihr Erscheinungsbild in der Welt nicht gleichgültig. Der "kritische Dialog" zwingt sie, sich mit den Themen zu befassen, die den Iran nicht nur in den Augen der USA zum Paria-Regime machen. Immerhin hat sie "Zugeständnisse" gemacht: Rushdie soll nicht mehr verfolgt werden, über Menschenrechte will man diskutieren, mit UN-Menschenrechtsbeobachtern zusammenarbeiten. Bescheidene Erfolge, gewiß. Aber die Fortführung des "kritischen Dialogs" erlaubt es den Europäern, auf konkreten Schritten zu bestehen.