Bernhard Hindersin hat einen Namen, den man ruhig wörtlich nehmen darf. Wenn der technische Betriebswirt wieder mal einen Brief an den Vorstandsvorsitzenden von Daimler-Benz formuliert, dann steckt meist mehr dahinter, als Jürgen Schrempp ahnt.

Tagsüber berechnet Hindersin im Motorenwerk von Mercedes-Benz in Stuttgart-Untertürkheim die Kosten von Produktionsabläufen - seit 24 Jahren schon. Nach Feierabend berechnet er zu Hause die Sonne: Einstrahlungswinkel, Energiemenge, Abstrahlungsintensität.

Mit diesem Wissen und mit reichlich Zähigkeit ausgestattet, nervt er seit vielen Jahren seine Vorgesetzten. 1996 hatte er schließlich Erfolg. Im Oktober weihte der Konzern ein neues Motorenwerk in Bad Cannstatt ein. Auf dem Dach der Fabrik steht eine Solaranlage.

Sie gilt als das größte in ein Gebäude integrierte Sonnenkraftwerk Europas. Ohne Hindersin gäbe es die Anlage nicht.

Ein schlechtes Gewissen ist kein gutes Ruhekissen. Bernhard Hindersin, für den sich die "Bewahrung der Schöpfung" nicht in Katalysatoren oder phosphatfreien Waschmitteln erschöpft, sagt über den Autokonzern: "Es ist ja auch meine Firma, und ich möchte stolz auf sie sein."

Das ist er im Moment gar nicht - trotz der Solarzellen auf dem neuen Dach. Der kleine Angestellte will den großen Konzern weitertreiben und hat deshalb längst das nächste Projekt im Visier: Auf das benachbarte Fabrikdach wünscht er sich eine Solartherme, zur Warmwasserbereitung.

Wieder schreibt Hindersin Briefe, wieder berechnet Hindersin den Nutzen. Und wieder stößt er in der Konzernzentrale auf Ablehnung.