Die Gegner der Gegenwart bleiben unsichtbar. Sie heißen Bakterien, Viren und Prionen. Sie sind überall und übermächtig, lauern auf dem Teller, im Bett und Krankenhaus. Die Schrecken haben Kürzel: BSE, CJK und noch immer HIV.

Doch die Bedrohung ist gar nicht neu. Der Wettstreit zwischen Mensch und Mikrobe ging mit der Geburt der Menschheit in seine erste Runde. Fünf Millionen Jahre später, in der Mitte dieses Jahrhunderts, glaubte man die Schlacht gegen die Erreger schon gewonnen. Nun müssen wir fürchten, erneut zu unterliegen, und - das wurde 1996 deutlicher denn je - wir sind selbst schuld daran.

Unsere wirksamsten Waffen, die Antibiotika, riskieren wir in der Tierzucht und auf dem Gen-Acker. Mit den manipulierten Pflanzen verbreiten die Genetiker Resistenzen. Würden diese künstlichen Widerstandskräfte der Pflanzen gegen Antibiotika auf Krankheitserreger übertragen, würden nicht nur diese Mittel, sondern ganze Gruppen von Antibiotika wertlos. Mit ätzenden Nikotinnebeln und Doping im Stall riskiert die industrialisierte Landwirtschaft das tausendfache Sterben, wenn Penicillin beim Fleischesser ohne Wirkung bleibt.

Zudem eröffnen wir dem Feind immer neue Schlachtfelder, wenn wir biologische Barrieren niederreißen, indem wir etwa verseuchte Kadaver zu Viehfutter machen und so Krankheiten verbreiten.

Es gibt jedoch nicht nur Niederlagen. Im Kampf gegen Aids scheinen die Mediziner erstmals mit der Kombination verschiedener Präparate das Virus in die Knie zu zwingen. Vorläufig jedenfalls. Für einen Siegestaumel ist es allerdings noch zu früh. Aber werden sich nur die Reichen die teure Therapie leisten können, ist Überleben ein Luxusgut.