Eigentlich hätte der Bürgermeister von Düren sich die Sache mit den bosnischen Flüchtlingen leichtmachen können. Denn die Innenminister von Bund und Ländern sind sich einig: Die Flüchtlinge müssen zurück, notfalls unter Zwang. Nordrhein-Westfalen will Anfang April mit der Rückführung beginnen. Was kann ein Bürgermeister da tun? Abwarten und zuschauen, wie abgeschoben wird? Völlig indiskutabel für Josef Vosen. Dank seiner Initiative ist Düren - soweit bekannt - die einzige Stadt, die "ihren" Flüchtlingen bei der Wiedereingliederung in der zerschossenen Heimat hilft.

Zurück müssen die Flüchtlinge, das weiß Vosen: "Aber die Leute sollen in geordnete Verhältnisse kommen. Und ob ich denen hier noch drei Monate Geld zahle oder dort, wo es viel weiter reicht, ist doch wohl egal." Vosen, 53, SPD-Bundestagsabgeordneter und Dürener Bürgermeister seit mehr als einem Jahrzehnt, hat nicht nur gute Absichten, er hat auch einen Plan: "Da haben vier Leute ein Jahr lang dran gearbeitet." Als erstes wurden Daten über die Dürener Flüchtlinge erhoben. Als sich herausstellte, daß viele aus der Gegend von Modrica kommen, das inzwischen zur Republika Srpska gehört, hatte Vosen eine Idee. Er verhandelte mit beiden Seiten - dem neuen serbischen Bürgermeister von Modrica und den Stadträten der bosnjakischen Nachbarstadt Gradacac - und fand eine Lösung, die alle Betroffenen einbezieht: Flüchtlinge, Vertriebene und dagebliebene Bosnjaken und Serben. Im Frühjahr sollen die Flüchtlinge zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Gradacac einfache Häuser bauen gleichzeitig werden die Wohnungen geflüchteter Serben repariert, damit auch sie bald zurückkommen können. Danach könne man auch in Modrica mit dem Wiederaufbau beginnen.

Ein gewagtes Unternehmen? Die Dürener Flüchtlinge hat der Bürgermeister überzeugt. Anfangs wollte nur die Hälfte freiwillig zurück - und nun sind alle dabei. Zweihundert haben sich schon auf den Rückweg gemacht.