Nein, kein Aufschrei mehr nach den jüngsten Ausbrüchen rechter Gewalt von Mahlow, Wittstock, Frankfurt an der Oder, Trebbin, Fürstenwalde . . . Alles "Einzelfälle", so die rhetorische Begnadigung durch den Potsdamer Innenminister Ziel. Allein Brandenburgs Ausländerbeauftragte Almuth Berger sprach 1996 noch von der "Spitze eines Eisbergs".

Eiskalte Fremdenfeindlichkeit herrsche im Osten. "Man geniert sich gar nicht mehr dafür. Im Westen denken viele ähnlich, aber die Schamschwelle ist höher."

Als Pastorin der Ostberliner Bartholomäus-Gemeinde gründete Almuth Berger 1987 die "Cabana", das erste Begegnungszentrum für ausländische DDR-Vertragsarbeiter, die ansonsten, ethnisch getrennt und rigide reglementiert, in Neubaublocks hockten. Nach der Wende brachen die Betriebe der sozialistisch Eingeladenen reihenweise zusammen.

Almuth Berger, unter Modrow und de Maizière Staatssekretärin für Ausländerfragen, stritt um Abfindungen, Heimkehrhilfen, Bleiberechte.

Wie schäbig danach die einheitsdeutsche Politik mit ihrer Verantwortung für diese Menschen umging, hat sie bis heute nicht verwunden.

Was Almuth Berger und ihre fünf Mitarbeiter täglich tun, ist Sisyphosarbeit wider den rohen Zeitgeist. Die Kirchen bleiben wichtig, sagt sie: als Mobilisatoren von Engagement, als Anlaufstellen für Bedrohte, als Asyl. Denn staatliches Handeln kann fehlerhaft sein. Moralische Appelle erreichten fast nur Gleichgesinnte. Fakten müßten her: ein EU-Entsendegesetz für Wanderarbeiter, ein Mindestlohnsystem gegen das Volkszorn-Argument, die Ausländer ruinierten den deutschen Arbeitsmarkt. Vor allem müsse der Staat eingestehen, daß die Bundesrepublik Einwanderungsland sei. Dann könne man offen über Zuzugsquoten reden. Sonst muß jeder, der kommen will, auf den Asylweg.

Jeder? Der südafrikanische Fußballer Sean Dundee darf jetzt ganz schnell Deutscher werden. Berti Vogts benötigt einen Mittelstürmer, wenngleich nicht so dringend, wie Deutschland Almuth Berger braucht.