Eberhard Burgers Weg führte erstaunlich direkt zu seinem Lebenswerk, dem Wiederaufbau der Frauenkirche. 1980 schied er als Bauleiter des Kombinats Kohle und Energie aus. Mit der sozialistischen Kommandowirtschaft war es für ihn vorbei. Er wurde erst Baureferent der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche von Sachsen, 1992 schließlich Baudirektor der Frauenkirche. Inzwischen ist er 43 Jahre alt, in seinem 61. Lebensjahr wird er, "mit Gottes Hilfe", die gewaltige Kuppel erblicken.

Ein großer, graublondgelockter Mann ist Eberhard Burger. Seine leise sächsische Modulation beherrscht alle Verhandlungen mit Firmenvertretern. Wenn er beiläufig sagt: "Das würden m'r eigentlich anders machen", ist es ein felsenfestes Nein und wird auch so verstanden. Er wäre ein beeindruckender Theaterintendant. Als Baudirektor ist er der Mann für alles, der Spendensammler, der Baustelleninszenator, die Seele des Wiederaufbaus. Niemand wäre überrascht, wenn plötzlich nachgewiesen würde, daß er der wiedergeborene George Bähr sei, jener Ratsbaumeister von Dresden, der den kühnsten Kuppelbau seiner Zeit schuf.

Wie einst Bähr sieht sich Burger heute allerlei Vorwürfen und Verdächtigungen ausgesetzt. Den ersten Initiatoren des Wiederaufbaus geht alles "viel zu schnell, viel zu professionell". Burger leidet unter dem Fundamentalismus der Denkmalschützer. Die Unterkirche wurde gar mit den Autobahnbrücken der Nazis verglichen, nur weil die historischen Unregelmäßigkeiten des Tonnengewölbes nicht reproduziert wurden. Burgers Liebe gilt nicht nur dem Bau, sondern auch der Baustelle selbst. Sie ist ein Ort des Lernens, der ständigen Interpretation.

Es muß "glaubwürdig", "wahrhaftig" gebaut werden, ohne industrielle Gleichförmigkeit, "nicht wie aus Plaste". Wenn Arbeiter ihm sagen, es sei "die schönste Baustelle ihres Lebens gewesen", sieht er sich bestätigt.

Inzwischen ist "die Baustelle zum kulturellen Ereignis in Dresden geworden", und Eberhard Burger kann sagen, daß er der Vollendung seines Lebenswerkes 1996 ein gutes Stück näher gekommen ist. Die Unterkirche wurde vor kurzem geweiht, seither finden dort Konzerte, Festveranstaltungen, Führungen statt.