Ein wenig rot hätten die Herren schon werden können. Mit Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaftern verständigte sich die Bundesregierung vor fast einem Jahr auf das Ziel, die Arbeitslosigkeit bis zum Jahr 2000 zu halbieren. Dann gingen die Partner wieder auseinander - und innerhalb weniger Wochen war alle Aufbruchstimmung dahin.

Aber noch im Herbst hielt Helmut Kohl an der schönen Illusion fest. "Ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern", sagte der Bundeskanzler - anders als sämtliche Ökonomen. Längst war klar: Erst einmal werden 1997 nicht weniger, sondern mehr Arbeitslose als im Jahr zuvor einen Job suchen.

In der Krise, so scheint es, versprechen Politiker das Blaue vom Himmel herunter. Oft ernten sie damit müdes Abwinken. Und sofern ihnen jemand ihre Einlassungen abnimmt, wecken sie auch noch falsche Hoffnungen.

Daß Bundesarbeitsminister Norbert Blüm die Rente als sicher erklärt, ist der Fernsehzuschauer gewohnt. Doch auch Helmut Kohl versuchte noch im vergangenen Frühling alle Zweifel auszuräumen und behauptete, "daß die Renten sicher sind für die jetzige Rentnergeneration".

Mittlerweile haben indes die letzten gemerkt: Sicher ist nur, daß die Menschen eine Rente bekommen, aber nicht welche. Kürzungen des Anspruchs sind ebenso im Gespräch wie die Besteuerung der öffentlichen Altersbezüge.

Versprechen oder nur Versprecher? Mit derlei wirtschaftspolitischen Ankündigungen suggerieren die zuständigen Politiker eine Macht, die sie nie hatten und angesichts globaler Märkte immer weniger haben.

Ob Kohl oder Blüm die Bedürftigen beruhigt, ob Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt einen Aufschwung versprach, der wieder und wieder auf sich warten ließ, oder, wie Anfang 1995, 150 000 Arbeitsplätze in Aussicht stellte, die dann nicht entstanden: Die Wirtschaftspolitiker können die Ökonomie nicht lenken, sie sind - von Rohstoffpreisen bis zu heimischen Erfindungen - abhängig von tausend inneren und äußeren Faktoren jenseits ihres Einflusses. Je überzogener die Versprechen, desto mehr offenbaren ihre Verkünder die eigene Hilflosigkeit - besonders indem sie noch darauf beharren, wenn längst aller Tage Abend ist.