Lübeck, 18. Januar, 3.45 Uhr. Drei junge Männer in Springerstiefeln betrachten eine Katastrophe: Das Asylbewerberheim in der Hafenstraße 52 brennt. Zehn Menschen sterben, weitere 38 werden verletzt.

Tags drauf werden die Verdächtigen festgenommen. Deutschland schreit auf: Rostock, Mölln, Solingen, jetzt Lübeck.

Vierundzwanzig Stunden später kommen die Inhaftierten frei. Sie hätten ein Alibi, sagt die Staatsanwaltschaft. Die nimmt Safwan Eid, einen Bewohner des abgebrannten Hauses, in Haft. Ein Sanitäter sagt später aus, ihm habe der junge Libanese gestanden: "Wir waren's."

Der Fall wird zum Politikum. Die liberale Presse bezichtigt sich selbst, und konservative Wortführer dreschen auf die Kritiker der deutschen Asylpolitik ein.

Fünf Monate bleibt Safwan Eid unter Mordverdacht in Haft. Doch nach und nach werden Ermittlungspannen publik. Dies ist vor allem das Verdienst von Gabriele Heinecke. Die linke Hamburger Anwältin hat die Lücken in den Akten offengelegt.

Anfang Juli kommt Safwan Eid frei, das Verfahren vor dem Jugendgericht beginnt Mitte September. Der Hauptzeuge bleibt bei seiner Aussage, sonst kommt kaum Belastendes gegen den Angeklagten zusammen. Verteidigerin Heinecke könnte zufrieden sein, wenn es ihr nur um Freispruch ginge. Doch sie will ihren Mandanten zum "Systemopfer" stilisieren.

Also startet sie eine Tournee auf der Suche nach Anhängern für ihre Verschwörungstheorie. Oktober: Frankfurt. November: Berlin.