Kein Zweifel, Shareholder value ist ein schönes Fremdwort. Keine Bilanzpressekonferenz vergeht, kaum eine Talk-Show endet, ohne daß Manager und Malocher, Politiker und Wähler, Kapitalhalter und Gewerkschaften sich über den Anglizismus in die Haare bekommen.

Das Konzept bedeutet: Die Aktionäre zuerst!

Mit Erfolg pochen die Kapitaleigner auf mehr Rechte und höhere Dividenden. Fristeten die Aktionäre bis vor wenigen Jahren eher ein Schattendasein, werden sie heute von den Vorständen gehegt und gepflegt. Der Umschwung ist ziemlich leicht zu erklären. Im Zeitalter der Globalisierung kennt Kapital keine Grenzen mehr.

Und überall sind Investoren heiß begehrt. Da müssen die deutschen Gesellschaften ihren Anlegern etwas bieten, sonst wandern die Geldgeber ab, schließlich ist weltweit an Alternativen kein Mangel.

Und so ist das Pendel einstweilen ziemlich weit ausgeschlagen, zum Vorteil der Aktionäre. Doch gemach. Allein mit glücklichen Kapitaleignern kann kein Unternehmen auf Dauer überleben. Um langfristig Gewinn zu machen, braucht jeder Betrieb motivierte Mitarbeiter, zufriedene Kunden und verläßliche Lieferanten. Ohne die geht es nicht. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das Pendel wieder mehr in der Mitte bewegt. Wetten?