Vierzig Jahre lang hielt das Bündnis. Einzelhandel, Gewerkschaften und Verkäuferinnen waren sich einig: Um 18 Uhr, spätestens 18.30 Uhr ist Schluß, Ladenschluß. 1996 kam der Bruch - weil immer mehr Händler ihre Position im Wettbewerb änderten. Und dabei entdeckten sie sogar ihre Kundschaft. Der Gesetzgeber, angetrieben von der FDP, folgte dem neuen Freiheitsdrang des Handels. Seit dem 1.

November kann auch der Bundesbürger seine Einkäufe in den Abendstunden erledigen, bis 20 Uhr jedenfalls. Doch der Weg zu mehr Urbanität und Lockerheit, vielleicht sogar einem Hauch mediterranen Lebensstils, er ist holprig. Viele Händler in kleineren Städten oder Stadtteilen halten von der neuen Freiheit nichts, manch ein Verkäufer gibt dem Kunden kurz vor 20 Uhr unmißverständlich zu verstehen, was er von ihm hält.

Und der Verbraucher? Kurz: Nicht einmal vor dem Weihnachtstrubel sitzt die Mark lockerer. Pech, daß die neue Freiheit, mehr Geld auszugeben, in eine Zeit fällt, da die Menschen weniger haben.

Die Handelsbranche muß im vierten Jahr hintereinander Umsatzeinbußen hinnehmen. Im Frühjahr soll Bilanz gezogen werden. Bequem für den Handel, unbequem für den Kunden.