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Henzler: (...) Der Weg in die Informations- und Kommunikationsgesellschaft ist vorgezeichnet, und diese können wir in vielen Teilen in Amerika fünf oder zehn Jahre im voraus fast modellgetreu sehen. Dort sind inzwischen zum Beispiel doppelt so viele Menschen beim Film beschäftigt wie in der Stahlherstellung. Üblicherweise haben die USA den dreibis vierfachen Produktionswert gegenüber Deutschland. In der Software aber haben sie die achtfache Beschäftigung und in der Elektronik die fünffache. Was diese Zukunftsgebiete angeht, stimmt bei uns also offensichtlich das Verhältnis der Beschäftigung nicht.

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Schulte: Trotzdem sollten wir uns konkret dem Industriestandort zuwenden. Denn das, was an Dienstleistungen entsteht in der Sogwirkung einer industriellen Fertigung, ist auf Dauer angelegt, hat eine Art Produktivcharakter und ist allemal besser, als sich nur auf vereinfachte Dienstleistungen zu beschränken.

Natürlich hat auch die Arbeitszeitverkürzung Stellen erhalten und geschaffen. Allerdings wird die Idee des einen Königswegs der Arbeitszeitverkürzung, wie sie über Jahre von den Gewerkschaften vertreten wurde, der Vergangenheit angehören. Das heißt, wir brauchen Arbeitszeitmodelle, die den Unternehmen die notwendige Flexibilität geben und gleichzeitig dem einzelnen einen Zugewinn an Zeitsouveränität.

Obwohl niemand sagen kann, wie viele Arbeitsplätze in der Informationstechnik entstehen, wird die Tele-Heimarbeit eine weitaus größere Rolle spielen als bisher. Sie ist ökologisch wie ökonomisch sinnvoll. Wir Gewerkschaften sind da offen und lassen mit uns reden. Das betrifft auch die Frage der Teilzeitarbeit. Wir haben weiterhin der Erklärung zugestimmt, daß die Sozialabgabenquote auf unter vierzig Prozent gesenkt werden und auch die Staatsquote zurückgeführt werden sollte. Und bei der Lohnfortzahlung waren wir mit dem Arbeitgeber und Teilen des BDI weiter, als sich das jetzt entwickelt.