Böse Überraschung für die Deutsche Bank : Ausgerechnet kurz vor Weihnachten bekam sie nicht nur die Rechnung für das spektakuläre Fonds-Fiasko in London präsentiert, ihr flatterte noch eine weitere Hiobsbotschaft ins Haus.

Wie die Ratingagentur Moody's , eine Art privater Überwachungsverein für die Zahlungsfähigkeit von Banken, am Montag vor dem Christfest mitteilte, hat sie das größte Geldinstitut der Republik in ihrer Bewertungsskala zurückgestuft. Bislang war die Deutsche Bank von Moody's mit der besten Note - dem dreifachen A, Triple-A, wie es in der Fachsprache heißt - beurteilt worden. Nun rutscht sie um eine Stufe runter.

Zwar versucht der Frankfurter Finanzkonzern dem neuen Zeugnis etwas Positives abzugewinnen und sieht, wie es in einer Stellungnahme heißt, dadurch seine "hohe Bonität" bestätigt. Doch das Eigenlob kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die schlechteren Noten dem Selbstwertgefühl des bisherigen Musterschülers einen empfindlichen Schlag versetzen. Noch vor wenigen Wochen hatte Vorstandssprecher Hilmar Kopper die Verteidigung des Spitzenplatzes als eine Frage der "Ehre" bezeichnet. Damals war die Deutsche Bank von Moody's bereits auf eine drohende Abstufung hingewiesen worden.

Die schlechteren Zensuren fügen dem ohnehin schon arg ramponierten Image des hiesigen Branchenprimus einen weiteren tiefen Kratzer zu. Dessen Serie von Pannen und Pleiten scheint nicht abzureißen. Nach peinlichen Fällen wie Schneider, Metallgesellschaft oder Klöckner-Humboldt-Deutz hatte zuletzt ein Skandal in London die Deutsche Bank erneut in die Schlagzeilen gebracht. Dort waren im September riesige Fehlspekulationen bei der zum Konzern gehörenden Investmentgesellschaft Morgan Grenfell Asset Management (MGAM) aufgeflogen. Nach Verhandlungen mit der zuständigen Aufsichtsbehörde erklärte sich die Bank jetzt bereit, den Anlegern eine Entschädigung von umgerechnet rund 470 Millionen Mark zu zahlen. Um die betreffenden Fonds zu stützen, hatte die Frankfurter Zentrale der MGAM bereits zuvor für mehr als 400 Millionen Mark Aktien abgekauft. Da diese aber deutlich weniger wert sind, dürften sich die Gesamtkosten des Fiaskos für die Deutsche Bank auf etwa 700 Millionen Mark summieren.

Auch die ungünstigere Bewertung durch Moody's kann die Bank teuer zu stehen kommen. Denn die Zeugnisse der Ratingagenturen entscheiden über die Höhe der Geldbeschaffungskosten: Je besser die Zensuren, desto weniger Zinsen sind an die Gläubiger zu zahlen. Was die Abwertung letztendlich kostet, läßt sich derzeit allerdings noch nicht beziffern.

Die Deutsche Bank selbst gibt sich allerdings davon "überzeugt, daß die Neubewertung zu keiner nachhaltigen Erhöhung der Refinanzierungskosten führen wird". Außerdem tröstet sich der Konzern bislang noch damit, daß er von den beiden anderen bedeutenden Ratingagenturen, Standard & Poors sowie IBCA, weiterhin die Bestnoten erhält.