Preispoker ist eine schlichte Sache. Nur nicht in der Computerbranche. Wochenlang verhandelte Apple mit dem Management von Be . Apple wollte die kleine Firma als Kraftpille schlucken; das Betriebssystem BeOS sollte Apples unselige Software-Anstrengungen retten (siehe ZEIT Nr. 50/1996 ). Die Finanziers von Be hatten die fixe Idee, ihre Klitsche sei 300 Millionen Dollar wert; Apple blieb krampfend beim Gebot von 120 Millionen hängen.

Überraschend gibt Apple nun 350 Millionen Dollar aus und kauft Next - jene Firma, die der Apple-Gründer Steve Jobs erschuf, nachdem ihn vor elf Jahren Apple-Manager wegen unerträglicher Krausköpfigkeit aus dem Haus gedrängt hatten. Was kommt da nun zurück? Ein angejahrtes Betriebssystem namens Nextstep oder Openstep, allerhand nicht ins Apple-System passende Software und schließlich Jobs selbst, als Zukunftsberater.

Leider fällt einem bei Apples Tat nur gruselige Vergangenheit ein.

Zunächst darf sich Canon als bisheriger Next-Großinvestor freuen, vom teuren Kind erlöst zu sein. Next hatte zuerst eigene Computer gebaut, die mit denselben Motorola-Mikroprozessoren liefen wie Apples Rechner. Kein Erfolg. Die Firma schrumpfte zum Software-Labor und wechselte technisch das Lager: Nextstep läuft heute auf Standard-PCs mit Chips des Marktdominators Intel.

Bei Apple steht diesem Programm also eine neue Wende bevor. Es muß auf jene PowerPC-Chips wandern, die einer 1991er Partnerschaft von Apple, Motorola und IBM entsprungen sind und die seither tapfer versuchen, trotz dieser drei ungleichen und egomanen Eltern die Intel-Dominanz zu brechen.

Womit wir auf noch mehr Narben alter Schlachten stoßen, die Apple jetzt kosmetisch behandeln müßte.