DAS LETZTE – Seite 1

Fünfzehn Grad unter Null. Der Winter hält die Welt im Würgegriff, sehr schöner Stabreim! Stille. Totenstille. Doch halt, von fern weht eine wehe Melodie in unsere verwaisten Redaktionsräume. Drüben auf der Alster steht ein Leiermann . . .

Was ist das für ein Jahr gewesen! Annus horribilis oder, wie der Lateiner sagt: ein Schreckensjahr. Der Mai war uns gewogen, doch dann ging es kopfüber abwärts. Und so sieht die Bilanz am Ende des Jahres grauenvoll aus. Das Wetter: eine Sauerei. Die Regierung: eine Katastrophe. Die Opposition: dasselbe. Die liebe Familie: eine terroristische Vereinigung. Die lieben Kollegen . . . Der Verfasser beginnt ganz still zu weinen.

Der Leser, gerührt: "Was ist denn los? Kopf hoch! So schlimm kann es doch gar nicht gewesen sein! Wird schon wieder usw. . ."

Der Verfasser, die Tränen trocknend, mit einem leisen, feinen Lächeln: "Danke, Leser, danke! Es stimmt schon, ein Schönes hat es doch gegeben 1996. Die Frauen. Die Mädels. Die Girls und die Girlies."

Der Leser: "Na bitte!"

Der Verfasser, plötzlich sehr beschwingt, holt sein "Erotisches Tagebuch 1996" aus der verklemmten Schreibtischschublade und liest daraus vor: "Bilanz 96. 33 erfolgreich abgeschlossene Bekanntschaften. Die erste war Drew mit dem kitzligen Bauch (Drew, nicht Drews!). Nach Drew kam Sarita mit der schönen Brust. Dann Sandra, dann Cindy, dann Ewa, die kleine Haremsdame."

DAS LETZTE – Seite 2

Der Leser, wütend, vor Sexualneid halb erbleichend, halb errötend: "Du Angeber! Du ekelhafter Angeber!"

Der Verfasser, nun durch nichts mehr zu bremsen, schon gar nicht durch den Leser: "Nach Ewa kam Tracy, jeder Muskel wie aus Stein gemeißelt. Kirsten, die nackte Klavierspielerin. Francesca, so sinnlich, daß einem der Atem stockt. Caprice, das blonde Gift. Annika, die Wassernixe. Lisa, immer nackt. Paula, die reine Versuchung. Amber mit dem Glitzerhöschen. Louise mit der aufgeknöpften Jacke. Ilona, scheuer Blick, vollendete Formen. Paulina, Sehnsucht in den Augen, Salzwasser auf der Haut. Anna, der italienische Nackedei. Sarita, die stolze Stierkämpferin. Kirsten, die schöne Frau am Ziel ihrer Sehnsucht. Mara, mit dem Traumlächeln einer Traumfrau. Cindy (schon wieder Cindy!), nackt am Strand, im Sand. Karina mit den schwarzen Netzstrümpfen. Erina aus Barbados, dieser Tag soll niemals enden! Milly, ein bißchen wild, aber sehr anhänglich. Estelle, die kleine Raubkatze. Ellen, immer schmollend. Janice, Rasseweib mit Knutschmund. Andrea, die Wildkatze, bitte nicht fauchen! Janina, leider immer müde. Kathrin, Gran Canaria. Angela, Berlin. Barbara, ohooo!

Die dreiunddreißigste und letzte ist Christy gewesen. Christy mit dem Gesicht, das alles verspricht."

Der Leser ist eingeschlafen. Der Verfasser sitzt trostlos und gottverlassen an seinem Schreibtisch. Vorüber, ach vorüber. Vorbei die wundervolle Bild-Serie "Die Top 33 der Erotik", unser treuer Begleiter (resp. Begleiterin) in jener Zeit, da die Tage immer dunkler wurden.

Und jetzt? Stille, Totenstille. Der Leiermann: in der Alster eingebrochen. Das Dreiunddreißigmäderlhaus: geschlossen. Was soll ich länger weilen, daß man mich trieb hinaus? Laß irre Hunde heulen vor ihres Herren Haus!

Hiermit ist das Franz-Schubert-Jahr 1997 offiziell eröffnet. Der Leser ist wach geworden, er sieht ein wenig merkwürdig aus. Gefrorne Tränen fallen, von seinen Wangen ab. 33 Grad unter Null.

Finis

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