Popmusik aus Japan war bislang Popmusik für Japan. Erst in jüngster Zeit versuchen mehr und mehr Musiker ihr Glück im Ausland. Vor gut einem Jahr tourte die Gruppe Pizzicato Five durch Europa. Mit ihrer Mixtur aus nostalgischen Beat-Melodien und modernen House-Rhythmen gilt sie daheim seit Mitte der achtziger Jahre als eine der wichtigsten Bands. Trotzdem fehlte früher das Selbstvertrauen für Europa.

"Wir Japaner hatten immer Komplexe, weil wir so klein sind. Wir dachten, wir könnten an einer Gitarre niemals so cool aussehen wie die Europäer und Amerikaner", erklärt Yasuharu Konishi, Kopf von Pizzicato Five. "Doch den Komplex haben wir überwunden. Früher folgten wir den Trends aus Übersee. Nun folgen die Ausländer unserem Trend."

Bei dem Trend handelt es sich um teenagerfreundliche Popmusik, die plötzlich auch in Deutschland für volle Clubs sorgt. Konishi stellte eine Auswahl solcher Songs für den Sampler "Sushi 3003" (Bungalow/City Slang Records) zusammen. Bei der CD-Präsentation in verschiedenen deutschen Großstädten tanzte das Publikum zu den lebenslustigen Songs von Fantastic Plastic Machine, K-Taro, Hiroshi Takano oder Tokyo's Coolest Combo.

Die Namen klingen exotisch, die Musik sonderbar vertraut. Die japanischen Popbands bedienen sich aus allen Stilen der letzten vierzig Jahre: ob fröhliche britische Ohrwürmer, exzentrische Glamrock-Riffs, New-Wave-Sounds, Techno-Drums, Latin-Rhytmen oder Easy-Listening-Harmonien - alles wird nachgespielt, mit Computern oder großem Orchester. Auch Chansons, denn "die Japaner lieben französische Chansons mehr als die Franzosen", sagt Konishi.

Anders als noch vor einigen Jahren versuchen die Japaner nicht mehr einen Stil perfekt nachzuahmen, sondern vermengen alles, was ihnen zu Ohren kommt. Wenn möglich, in einem einzigen Song, denn Raum ist bekanntlich knapp.

Gesungen wird zumeist in der Landessprache. "Japaner lernen zwar perfekt englisch schreiben, aber nicht sprechen. Selbst das Nachsingen englischer Refrains macht ihnen Probleme", sagt der Japankenner Wolfgang van Straaten, Chef der Berliner Plattenfirma 99 records.