Auf der einen Seite sehen wir die Kräfte der Globalisierung am Werk. Wir registrieren den Siegeszug des kapitalistischen Wirtschaftens. Mit gemischten Gefühlen genießen wir die moderne Schnellimbißwelt: McDonald's und Häagen-Dazs, Pizza Hut und Kentucky Fried Chicken. Wir spüren mit Unbehagen jene wachsende kulturelle Gleichförmigkeit, die sich in der erdumspannenden Trivialkultur der Flughäfen und Einkaufs-Malls ausdrückt: überall Boss, Swatch, Louis Vuitton; überall T-Shirts, Turnschuhe und Baseballkappen; überall Macintosh und Marlboro; überall Harley-Davidson und Hard Rock Cafés.

Die Globalisierung der Finanzmärkte und der Informationsnetze, freilich auch des Verbrechens, spiegelt uns eine Welt ohne Mauern und Zäune vor. Typisch dafür ist der Slogan "On planet Reebok there are no boundaries". Auch der Planet Hollywood kennt keine Grenzen, sowenig wie Murdoch, MTV oder Madonna. Und der saure Regen, die FCKW-Treibgase, die Tschernobyl-Wolken oder die Arbeitslosigkeit respektieren sowieso keinerlei Linien auf Landkarten.

Auf der anderen Seite nimmt der Beobachter verwundert wahr, wie dem Zug ins Weltweite eine Renaissance der Nahwelten entgegenwirkt, eine Flucht in die kleineren Einheiten, ein Aufleben von Stammesstolz, parochialem Haß und ethnischer Amokläuferei. Der Sprengel steht auf gegen die eine, die einförmige Welt. Der Tribalismus erhebt sich gegen den Globalismus. Kampf der Kulturen? Der Kampf der Stammeskulturen ist in vollem Gange: eine Reaktion auf die Entzauberung der Welt, die Ablösung von Tradition, Religion, Mysterium durch Gesellschaftsvertrag, Säkularisierung und Rationalität.

Benjamin Barber, Professor für politische Wissenschaften an der amerikanischen Rutgers University, hat diese Gegenläufigkeit in seinem 1996 vieldiskutierten Buch auf den Begriff gebracht: "Dschihad vs. McWorld". Dschihad, den Heiligen Krieg aller Arten von Fundamentalisten, nicht bloß der islamischen, definiert Barber als "tollwütige Antwort auf Kolonialismus und Imperialismus samt ihren Kindern Kapitalismus und Moderne". McWorld nennt er "ein Produkt der Pop-Kultur, verbreitet durch den expansionistischen Kommerz". Dschihad wird von Ideologie beherrscht, McWorld von Videologie.

Beide zusammen werden nach Barbers Voraussage die Welt in schwebendem Chaos halten: "Dschihad und McWorld laufen darauf hinaus, unsere schwer errungenen bürgerlichen Freiheiten wie die Möglichkeit einer weltweiten demokratischen Zukunft zu unterminieren . . . Die Mikrokriege des Dschihad werden weit ins nächste Jahrtausend hinein die Schlagzeilen füllen. Aber die auf Gleichschaltung drängende McWorld wird wahrscheinlich einen Makrofrieden etablieren, der den Triumph des Kommerzes begünstigt und die Herrschaft über das Schicksal der Menschheit jenen zuschanzt, die Information, Kommunikation und Unterhaltung kontrollieren."

Schöne Aussichten? "Wenn uns keine Alternative zu dem Kampf zwischen Dschihad und McWorld einfällt", warnt der amerikanische Politologe, "dann könnte die Epoche, an deren Schwelle wir stehen - postkommunistisch, postindustriell, postnational, zugleich jedoch sektiererisch, angsterfüllt und bigott -, auch unheilbar postdemokratisch werden."

III.