Vor beinahe vierzig Jahre verwettete ein Student der Astrophysik an der Universität von Chicago ein Päckchen Schokoriegel darauf, daß bis zum Jahre 1970 ein Mensch den Mond betreten würde. 1969 war es dann soweit: Carl Sagan hatte gewonnen. Zwei Jahre später wurde er Astronomieprofessor, bald leitete er Missionen der Nasa zu fernen Planeten. Besonders die Suche nach außerirdischem Leben hatte es ihm angetan; Sagan ist der Vater von Seti, dem Horchprojekt, mit dem Astronomen das All nach Funksignalen fremder Intelligenz durchsuchen.

"Wer liebt, will der ganzen Welt davon erzählen" - so begründete Sagan, warum er sich seit den frühen siebziger Jahren mit populärwissenschaftlichen Artikeln, Büchern und Fernsehsendungen an die Öffentlichkeit wandte. Ein Vorbild, das unter Forschern in den Vereinigten Staaten Schule machte, bei uns leider nicht. Seine Bücher kletterten die Bestsellerlisten hinauf; 1978 erhielt er den Pulitzerpreis für Literatur. Sagan war ein Aufklärer im klassischen Sinn. Was vor der Vernunft nicht bestehen konnte, mußte kritisiert werden - ob es nun die Ufologie oder Ronald Reagans Rüstungspolitik war. Der "nukleare Winter", die Berechnung potentieller Folgen eines Atomkriegs für das Erdklima, war eine Wortschöpfung von Carl Sagan. Viele Ehrungen hat er erhalten; zu seinen liebsten gehörte der Isaac-Asimov-Preis, benannt nach seinem Freund und verliehen von der Skeptiker-Organisation Csicop, in der er mitwirkte.

Vor wenigen Monaten schrieb er, bereits todkrank, daß er keinen Gedanken an ein Leben nach dem Tode verschwende: "Es scheint mir viel besser zu sein, wenn wir dem Tod ins Auge blicken und täglich dankbar sind für die kurze, aber großartige Gelegenheit, zu leben." Carl Sagan starb kurz vor Weihnachten im Alter von 62 Jahren.

Gero von Randow