In dem Mann, der da im dritten Stock der Zentrale des Fernsehsenders ABC in Washington ein Tablett mit Pappbechern über den Gang balanciert, würde man nicht auf Anhieb einen hochbezahlten Fernsehstar vermuten.

Gleichwohl, er ist es: Ted Koppel, der populäre Moderator einer der erfolgreichsten Sendungen auf amerikanischen Bildschirmen - der "Nightline".

Auf den zweiten Blick kann gar kein Zweifel mehr sein: ganz unverkennbar Ted Koppel. Das Hemd mit der konservativ gestreiften (alternativ gelegentlich gepunkteten) Krawatte so unvermeidlich azurblau.

Das dunkle Haupthaar so üppig, daß alle Humoristen Amerikas es seit langem als Toupet verdächtigen. Der Teint so braun - und zur Freude der Maskenbildner so echt, seitdem er ein Ferienhaus in Florida besitzt.

In den Pappbechern, die Ted Koppel über den Flur balanciert, schwappt eine Ladung Kaffee für seine Mitarbeiter. In der Funktion des Oberkellners kennt man ihn weniger. Für Amerikas Fernsehzuschauer ist Ted Koppel "der klügste Kopf im US-TV", als den ihn das Nachrichtenmagazin Newsweek einmal gepriesen hat. Allabendlich kurz vor Mitternacht, wenn die Könige der late night shows, wenn David Letterman und Jay Leno ihren Auftritt haben, schlägt in unmittelbarer Konkurrenz auch Koppels Stunde, und immer häufiger hat er die besseren Einschaltquoten.

Der Mann ist bekannt dafür, auch heiße Eisen anzufassen und Personen hart ("hart, aber fair", findet er selber) zur Sache zu vernehmen.

"Ist es nicht paradox, daß die USA die bosnische Armee aus- und aufrüsten, während gleichzeitig die dort stationierten US-Soldaten Waffen der Bosnier in Beschlag nehmen?" provozierte er kürzlich den stellvertretenden amerikanischen Außenminister John Kornblum in einer "Nightline"-Sendung.