Im Frühjahr 1995 soll Heinz O. in Eckernförde regelmäßig Haschisch an Jugendliche verkauft haben. Der 51jährige geht nur gelegentlich einer Arbeit nach, damals lebte er von Rente und Pflegegeld seines an Alzheimer erkrankten Vaters. Der kleine Mann mit den rotblonden Haaren und dem Vollbart kann nicht verstehen, wieso er vor dem Amtsgericht wegen Drogenhandels angeklagt wird. Er habe dafür gesorgt, daß die Jugendlichen nicht auf der Straße herumhingen.

"Bei mir hatte ich die alle unter Kontrolle", meint der Angeklagte verschmitzt. Vielleicht habe er mal eine Flasche Bier spendiert, aber von "Hasch und so BTM-Zeugs" habe er noch nie etwas gehört.

Der Staatsanwalt sieht das anders: Heinz O. soll seine Jungs mit einem Joint für sich eingenommen haben. Sobald die Runde benebelt war, soll er dann mit phantastischen Erzählungen losgelegt haben: welche Waffen er besitze, wie man Bomben baue und ähnliche Räuberpistolen.

Vor der Polizei haben ein paar seiner Besucher noch alles abgestritten, aber im Gericht werden Mario, Mercek und Manuel von ihren Müttern begleitet. Manuels Mutter möchte den Sohn zwar "beileibe nicht so direkt als Lügner" hinstellen. Aber der Junge komme "eben mit der Sprache man nicht gleich so heraus." Sie mahnt eine strenge Befragung an. Unter den Blicken der besorgten Mütter wird Heinz O. nun schwer belastet. Manuel will von Mercek gehört haben: "Das ist ein guter Freund, da kann man schnacken", so sei er zu Heinz in den Keller gekommen. Dort hätten sie Witze erzählt und "'n Piece" geraucht, sagt Manuel, zwei- bis dreimal in der Woche.

Kostenlos gab es den Joint bei dem selbsternannten Sozialarbeiter leider nicht. "Ich konnte das alles nicht bezahlen, ich mußte das Geld klauen", gesteht Manuel zerknirscht. Er holte sich das Geld aus Muttis Handtasche. Für die kriminelle Energie seiner jugendlichen Freunde scheint Herr O. nur zum Teil verantwortlich gewesen zu sein. Insgesamt will Mario für ganze 25 Mark "Stoff" erworben haben, aus Mutters Portemonnaie borgte er sich über 1200 Mark - für Turnschuhe und passende Oberbekleidung. Der Fehlbetrag in der Haushaltskasse ließ den Drogentreff schließlich auffliegen.

Herr O. mag die Vorwürfe nun nicht länger abstreiten, und sein Rechtsanwalt meint, die Sache mit den Kindern sei "ja durch und durch problematisch". Aber wenn Regierungsstellen den Verkauf von Hasch "propagieren", könnte jemand wie Herr O. nicht mehr unterscheiden, was rechtens und was verboten sei.

Der Richter will den Angeklagten nicht als "professionellen, abgefeimten Drogendealer" sehen. Er hält eine Strafe von neun Monaten auf Bewährung für angemessen. Herr O. sei eher ein "armes Schwein" allerdings habe er, so die Überzeugung des Gerichtes, auf seiner Suche nach ein wenig Zuwendung die Eckernförder Jugend auf einen "Weg geführt, der nach unten geht und irgendwann ohne Umkehr ist".