Die Stadt Bonn sucht ein neues Profil.Nach dem Regierungsumzug soll Kultur die Besucher locken.Eine neue Tourismus GmbH wurde schon gegründet. Wenn in frühestens zwei Jahren die Parlamentarier ihre Koffer packen, wird so manches Bonner Hotelbett leer bleiben.Vorbei sind dann die sorglosen Zeiten, als Lobbyisten eine Tagung nach der anderen abhielten und Abgeordnete zweimal im Jahr eine Delegation ihres Wahlkreises an den Rhein luden.Tagt das Parlament in Berlin, könnte dem Bonner Tourismusgewerbe eine handfeste Krise bevorstehen. Damit es nicht soweit kommt, werden in der ehemaligen Hauptstadt derzeit alle Hebel in Bewegung gesetzt.Die Stadt müht sich um ein neues touristisches Profil.Städtereisende und Wochenendbesucher sollen nun zu einem Abstecher nach Bonn bewegt werden.Bislang spielten sie keine Rolle: Zu Zeiten des prosperierenden Regierungstourismus konnte Bonn auf derlei gewöhnliche Urlauber verzichten.Unter den Städtezielen blieb die frühere Hauptstadt deshalb ein Nobody. Das soll sich nun ändern.Vor wenigen Wochen wurde eine Tourismus GmbH gegründet.Dabei schmiedete die drohende Gefahr die gesamte Region zusammen.Die neue Tourismus GmbH brachte - bundesweit erstmalig - das Kunststück fertig, auch Nachbarkreise einzubinden. Die neue Gesellschaft ist deshalb künftig nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Landkreise Rhein-Sieg und Ahrweiler zuständig. In einer Region vom Nürburgring bis vor die Tore Kölns werben 22 Gemeinden künftig mit einer Stimme um den Gast. Ein Experte in Sachen Städtemarketing, Hans-Helmut Schild, bislang Leiter des Instituts für Bildungsreisen in Bonn, wurde Geschäftsführer der Tourismus und Kongress GmbH Region Bonn Rhein-Sieg Ahrweiler. Hans-Helmut Schild fand gute Startbedingungen für die touristische Wiederbelebung Bonns: Er muß nicht unverfälschte Merkmale suchen oder konstruieren, um die Stadt zu vermarkten.Bonn hat seine Besonderheiten, bislang wurden sie nur nicht vermittelt.So finden sich mehr als zwanzig Museen in der ehemaligen Hauptstadt, sechs davon mißt Schild internationale Bedeutung bei.Auch Beethoven, berühmtester Sohn der Stadt, ist aus touristischer Sicht Gold wert.Ähnlich wie es Salzbur g mit Mozart gemacht hat, will Hans- Helmut Schild deshalb Bonn als Beethovenstadt profilieren. Selbst im Tagungsbereich kann sich der neue Bonnwerber auf eine gute Infrastruktur stützen.Bonn hat große Kapazitäten.Wenn ehemalige Regierungseinrichtungen wie das Wasserwerk und das Bundesgästehaus auf dem Petersberg dazukommen, wird das Angebot im Kongreßbereich noch umfangreicher. Außerdem blickt Bonn auf touristische Tradition: Der englische Dichter Lord Byron beispielweise lockte schon mit seinen romantisierenden Zeilen jahrzehntelang Engländer nach Bonn.Bis vor dem Kriege war die Stadt der Ausgangspunkt des Rheintourismus.Hans-Helmut Schild ist deshalb frohen Mutes: "Wir können uns auf alte Stärken besinnen." Der Mann an der Spitze der neuen Tourismus GmbH muß jedoch zunächst Aufbauarbeit leisten: Bis Mitte dieses Jahres will Hans-Helmut Schild einen zentralen Ticketverkauf organisieren.Die elektronische Hotelbuchung soll 1998 folgen.Der Etat von drei Millionen Mark ist jedoch nicht gerade üppig.Daß die Bundesregierung in den nächsten fünf Jahren dreißig Millionen Mark für Ausgleichsmaßnahmen in die Region fließen läßt, hilft den Bonnwerbern aber indirekt. Allein die Profilierung Bonns als Beethovenstadt fördert der Bund mit 3,8 Millionen Mark. Doch Hans-Helmut Schild weiß, daß Infrastruktur und Marketingmaßnahmen wenig nützen, wenn das Image nicht stimmt.Und da liegt nach wie vor das größte Problem.Die jahrelange Identität als Regierungsort hat das Bild der biederen Beamtenstadt betoniert.Erste Erfolge im langen Kampf um ein neues Image erwartet der neue Bonnwerber deshalb erst nach dem Umzug.Nur wenn das Volk die Stadt nicht mehr mit der Regierung identifiziert und "über die in Berlin" schimpfen wird, sagt Schild, kann Bonn sein neues Image wirklich finden.