BERLIN. - Das düstere Gebäude in dem Ostberliner Hinterhof sieht nicht gerade einladend aus. Wer es nicht weiß, wird hinter diesen Mauern kaum ein Modellprojekt suchen. Seit Anfang Oktober arbeitet hier die Fachkräfte- und Stellenbörse für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina. Finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und ausgestattet mit einem Mandat der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt, will die Stellenbörse Brücken zum bosnischen Arbeitsmarkt bauen, um den Flüchtlingen den schwierigen Weg zurück zu erleichtern.

Doch nicht um das frühestmögliche "Wann" der Rückkehr geht es bei diesem Pilotprojekt, sondern um das bestmögliche "Wie". Denn von zwei Dingen ist Klaus Dünnhaupt, Chef der Stellenbörse, überzeugt: "Im ehemaligen Jugoslawien wird erst Frieden einkehren, wenn die Wirtschaft in Gang kommt und die Leute wieder miteinander arbeiten".

Und: "Die meisten Bosnier würden gern in ihre Heimat zurückgehen, wenn sie wüßten, was sie dort erwartet."

Die Resonanz scheint ihm recht zu geben. Das bisherige Echo hat selbst die Initiatoren des Projekts überrascht: Innerhalb von zwei Mona-ten hat die Stellenbörse 10 000 Bewerbungsbögen an bosnische Interessenten, Wohlfahrtsverbände und Flüchtlingsorganisationen verschickt. Die erste Auflage der Formulare ist bereits vergriffen.

Am Info-Telephon melden sich täglich rund zwanzig neue Interessenten.

Wie ein Arbeitsamt in Miniaturformat versucht die Börse zwischen potentiellen Arbeitgebern in Bosnien und Arbeitsuchenden in Deutschland zu vermitteln. Ein Brückenschlag unter zwei Prämissen: Für die angebotenen Jobs darf sich zuvor kein konkurrierender Bewerber auf dem lokalen bosnischen Arbeitsmarkt gefunden haben, und - Bedingung zwei - die Teilnahme an der Stellenbörse ist für die Flüchtlinge nicht mit einer Rückkehrpflicht verbunden.

Rund 6000 Stellenangebote hat die Trägergesellschaft der Börse, AGEF, von einer Rundreise durch Bosnien-Herzegowina mitgebracht.