BERLIN. - Politiker der Vertriebenenverbände argumentierten einst: Unter Hitler sei das Recht so mißachtet worden, daß wir es jetzt besonders streng achten müßten, und deshalb dürften wir die Oder-Neiße-Grenze nicht anerkennen. Im gleichen Geiste spricht und handelt die Bundesregierung, wenn es um die Kunstwerke geht, die nach Kriegsende in die Sowjetunion entführt wurden: Sie waren deutsches Eigentum, teilweise sogar Privateigentum, wurden ohne Rechtstitel genommen und müssen daher zurückgegeben werden.

Die meisten Medien applaudieren und loben die Georgier, die vor einigen Wochen hunderttausend Bücher zurückerstatteten, die aus deutschem Besitz stammen und bei ihnen gelagert worden waren.

Die Russen hingegen, empört sich, beispielsweise, Der Tagesspiegel, setzten auf die Macht der Gewöhnung und machten sich nicht einmal die Mühe zu verschleiern, daß es sich um "Beutekunst" handele.

In St. Petersburg stellten sie 89 Zeichnungen aus deutschem Privatbesitz aus, sprächen von "sogenannter Beutekunst", die der Welt wieder zugänglich gemacht werden sollte, und verschafften sich noch "hübsche Zusatzeinkommen" mit einem schönen Katalog, den der Kindler-Verlag hergestellt hat.

Aber was gibt es hier eigentlich zu tadeln? Fast ein halbes Jahrhundert lang blieb die entführte Kunst in Magazinen versteckt, jetzt wird sie schon in einer vierten Ausstellung gezeigt, und zwar in "vorbildlicher" Präsentation, wie der Direktor der Kunsthalle Bremen urteilt.

Ein deutscher Verlag hilft mit einem vorzüglichen Katalog. Weitere Ausstellungen sollen folgen.

Dies ist, so scheint es, der Weg, aus dem elenden Streit herauszukommen, der unser Verhältnis zu Rußland vergiftet: Statt zu zanken, wem die Kunstwerke gehören, sollte ein deutsch-russisches Gemeinschaftswerk gestiftet werden. Es würde finanziert von beiden Regierungen, präsentiert vielleicht in einem eigenen Museum in Moskau oder St. Petersburg und verwaltet von russischen und deutschen Gelehrten.