Noch ist er nicht tot. Noch ahnt man nur, was einem fehlen wird.

Die Songs? Die bleiben ja - und das eigene Leben, dem jetzt ein Spiegel zerbrach.

Townes Van Zandt: Geboren 1944 in Fort Worth, Texas. Der Vater Ölmanager, die Eltern reich, aber mobil, Umzüge nach Montana, Colorado, Illinois, Minnesota, zurück nach Texas. Townes blieb ein Tramp, lebte in Houston, im New Yorker Greenwich Village, in einer Hütte in den Bergen von Colorado. Zur Schneeschmelze ritt er ins Tal, würfelte und soff mit Grubenarbeitern und amüsierte sie als Blues-Imitator. Seinen ersten Song schrieb er mit siebzehn.

Der hieß "Waiting 'round to die" und handelte vom Streunen und Saufen und sonstigen Arten, den Tod zu erwarten. Jung war Townes nie.

Er ist immer ein Geheimnis geblieben, der Masse unbekannt, der Gemeinde unantastbar. Platten verkaufte er kaum. Seine Lebensversicherung waren die Tantiemen für jene Songs, die berühmtere Kollegen übernahmen: Emmylou Harris, Doo Watson, Willie Nelson, Bruce Springsteen, neuerdings die Cowboy Junkies und die Walkabouts - allesamt Reporter der menschlichen Verdunkelung und verdiente Bekämpfer postmodernen Plapperpops.

Ich habe den geliebten Townes Van Zandt nur einmal gesprochen.

Er sprach leise, stockend, mit scheuem Gelächter. Daß er nun seßhaft sei und keinen Alkohol mehr brauche, hat er damals, 1992, irritierend betont. Er erzählte von seinem Baby Katie Belle und von seinen Helden: Lightnin' Hopkins, Albert Schweitzer, Vincent van Gogh.