Franz Christoph war ein zorniger, engagierter Kämpfer wider das falsche Mitleid, die Heuchelei und die Ausgrenzung Behinderter, nein: Krüppel, wie er sie und sich selbst provozierend und selbstbewußt nannte. Er ist tot. Wir entnehmen dies einer Anzeige im Neuen Deutschland, die der Bundesvorstand der PDS und die Arbeitsgruppe Selbstbestimmte Behindertenpolitik der Partei aufgegeben haben: "Falsches Mitleid war ihm zuwider. Als Initiator der Krüppelbewegung der BRD und Streiter gegen Euthanasie und Bioethik wurde er 1994 unser Genosse. Wir wollen auf seinem Weg bleiben." Der kleine, bärtige Mann im Rollstuhl hat mit spektakulären Aktionen und Diskussionen die westdeutsche Öffentlichkeit wachgerüttelt. Die ZEIT und ihre Leser lernten ihn im Sommer 1989 kennen. Wir hatten ein Dossier von Reinhard Merkel über die Thesen des australischen Moralphilosophen Peter Singer veröffentlicht - ein Beitrag, der außerhalb und innerhalb der Redaktion heftig diskutiert wurde: Es ging um das Thema Euthanasie ("Der Streit um Leben und Tod").

Aus Protest hatte sich Franz Christoph im Pressehaus angekettet.

Wir luden ihn zur Diskussion mit der Redaktion ein - in gedruckter Form erschien sie dann in der ZEIT Nr. 29/1989. Seiner Unerbittlichkeit verdanken wir ein spannendes, bewegendes Gespräch.