In diesem Winter könnte die Bahn eigentlich einen alten Werbeslogan aus dem Keller holen: "Alle reden vom Wetter, wir nicht". Zwar sind die Züge derzeit alles andere als pünktlich, aber sie kommen immer noch mit für den Kunden zumutbaren Verspätungen an. Die Brummis haben da schon größere Probleme - die Fahrzeuge stecken oft genug für viele Stunden im Stau und strapazieren das Just-in-time-System der modernen Fabriken. Noch ärmer dran ist freilich die Binnenschiffahrt, weil auf vielen Flüssen und Kanälen gar nichts mehr geht.

In einem zu Beginn dieser Woche vom Bundesverkehrsministerium veröffentlichten Bericht über "Eislage und eisbedingte Schiffahrtsbehinderungen" überwiegt die lakonische Bemerkung "Schiffahrt eingestellt". Das gilt uneingeschränkt für das Wasserstraßennetz in Ostdeutschland, für die Kanäle im Westen, die Donau und die Nebenflüsse des Rheins in ihren Oberläufen.

Vater Rhein selbst ist dagegen praktisch eisfrei, Behinderungen gibt es nur in einigen Häfen. Und damit sieht es für die Binnenschiffahrt nicht ganz so schwarz aus - gut drei Viertel der auf deutschen Binnenwasserstraßen transportierten Gütermenge geht über den Rhein.

Weil auch die Nebenflüsse in ihren Unterläufen zumeist schiffbar sind, war es gar nicht so leicht, ein Steinkohlenkraftwerk zu finden, das sich einen anderen Transporteur suchen muß als seinen angestammten Binnenschiffer. Das Kraftwerk der PreussenElektra in Großkrotzenburg am Main wird genauso zuverlässig versorgt wie die Heilbronner Stromerzeuger der Energieversorgung Schwaben.

Fündig wird man erst weiter im Norden. Da betreiben die Stadtwerke Hannover gemeinsam mit zwei Industriebetrieben ein Gemeinschaftskraftwerk, das über den Mittellandkanal mit Kohle versorgt wird. Monat für Monat sind das 65 000 Tonnen. Und gäbe es nicht die Bahn, dann müßten die Kunden um ihre Stromversorgung fürchten. Die Bundesbahn liefert ohnehin schon zehn Prozent des Bedarfs und hat ihren Anteil jetzt auf vierzig Prozent erhöht. Den Rest nimmt das Kraftwerk vom Lager, das nach Angaben von Harald Noske, der bei den Stadtwerken für die Strom- und Fernwärmeerzeugung zuständig ist, den Bedarf von sechs Wochen decken kann.

Probleme mit der Kohlezufuhr auf dem Wasserwege gibt es natürlich auch bei der Bewag in Berlin, die etwa sechzig Prozent ihres Brennstoffbedarfs mit Binnenschiffen anfahren läßt. Auch da springt die Bahn in die Bresche, den Rest besorgt ein ebenfalls wohlgefülltes Lager.

Unternehmenssprecher Siegfried Knopf erinnert im übrigen daran, daß die Bewag zu Zeiten des Berliner Insellebens mit ganz anderen Schwierigkeiten fertigwerden mußte.