Das Gedachte war entscheidender als das Gesagte. Die Konferenz von acht islamischen Staaten am vorigen Wochenende in Istanbul endete mit vagen Absichtserklärungen. Sie nenne sich D-8 (D steht für developing). Was auch sollten die Türkei, Iran, Ägypten, Bangladesch, Malaysia, Indonesien, Pakistan und Nigeria gemein haben? Es sind islamische Staaten, gewiß. Aber die Tatsache, daß Europa christlich ist, wäre allein noch kein Garant für europäische Einheit. Ähnlich im Nahen und Mittleren Osten: Politisch wie auch wirtschaftlich spielen die Teilnehmerstaaten eher untergeordnete Rollen und sind sich obendrein wenig gewogen. Ihr Handelsvolumen untereinander liegt zwischen ein und fünf Prozent, die kulturellen Unterschiede sind gewaltig. Die reichen Erdölproduzenten der arabischen Halbinsel sind gar nicht erst gekommen. Das vom Initiator, dem islamistischen türkischen Premier Necmettin Erbakan, vollmundig angekündigte islamische Gegengewicht der D-8 zu den Industriestaaten der G-7 ist pures Wunschdenken. Er will Ausbeutung durch Kooperation ersetzen, Spannungen durch Dialog. Aber konkrete Ergebnisse, etwa der Abschluß von Wirtschaftsverträgen, blieben aus.

Erbakan verfolgt mit seiner Konferenz in erster Linie innenpolitische Ziele. Zum wiederholten Mal präsentiert er sich als "gewichtiger islamischer Politiker" und profiliert sich damit bei seinen Wählern - nicht aber in den Augen säkular gesinnter Türken und schon gar nicht bei den östlichen Nachbarn Ankaras. Zu tief sitzen die Vorbehalte gegenüber dem Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches, das über Jahrhunderte andere islamische Völker unterdrückte.