Sie kommen hier heute nicht mehr weg", sagt Lorentz Wittmers.

Draußen tobt der bisher heftigste Schneesturm des Winters. Über dreißig Zentimeter sollen in den nächsten Stunden fallen. Der Flughafen ist bereits geschlossen.

Kaum ein anderer auf der Welt weiß so genau, welche Gefahren Kälte birgt: Der 54jährige Wissenschaftler ist Direktor des Hypothermie-Labors an der medizinischen Fakultät von Duluth im amerikanischen Bundesstaat Minnesota. Dort, nahe der kanadischen Grenze, studiert er seit über zwanzig Jahren, wie sich extreme Unterkühlung auf den menschlichen Körper auswirkt.

Der Job im "Gefrierfach der Nation" (Volksspott) hat Wittmers zu einem wohl einzigartigen Bademeister gemacht: Hunderte von Studenten sind für ihn schon in eiskalte Becken oder den noch kälteren Lake Superior gestiegen, an dem die Kleinstadt liegt.

Gespickt mit Elektroden, verharren sie dort stundenlang unter seinem wachsamen Auge. "Wir messen mit einer Rektalsonde vor allem die Temperatur im Kern des Körpers, also etwa Herz, Gehirn und Lunge", erklärt der Kälteforscher. Neben einer überdimensionierten Badewanne sind Computer in den engen Kellerraum der Fakultät gequetscht, orangefarbene Schutzanzüge, ein Unterwasserfahrrad und jede Menge Kabel und Schläuche.

Wittmers ist selbst schon seit Jahren nicht mehr in die Wanne gestiegen. Auch in seinem Büro ist es mollig warm. Er ist kein Freund von großer Kälte, sie ist sein Feind. "Hypothermie ist ein großes Problem. Auch in wärmeren Gefilden. In Florida etwa gibt es weit mehr Fälle von gefährlicher Unterkühlung als in Minnesota.

Hier wissen die Leute, wie sie sich zu verhalten haben."