So viel Optimismus macht Mut. "Der Krebskiller" frohlockt das amerikanische Magazin Newsweek auf dem Titel seiner aktuellen Ausgabe und spricht von einem "Schlüssel zur Heilung". Zuvor spekulierte das Blatt bereits über das "Ende von Aids". Ebenso zuversichtlich klingt das andere große US-Magazin, Time, das mit dem Taiwan-Amerikaner David Ho einen Aids-Forscher zum "Mann des Jahres 1996" gekürt hat. Und auch die Titelredaktion des Spiegels verkündet jetzt ein "Aids-Wunder" und das "Ende des Sterbens".

So viel Optimismus macht mißtrauisch. Auch wenn die Forscher die zellbiologischen Prozesse der Tumorentstehung immer besser verstehen, bleiben die meisten Krebsformen unheilbar. Zwar hoffen viele Experten auf eine Gentherapie, mit der bösartig wuchernde Zellen gezielt vernichtet werden sollen. Doch selbst Optimisten glauben, diese Technik sei frühestens in zehn Jahren einsatzbereit - wenn überhaupt.

Zuversichtlicher stimmen da zunächst die Fortschritte beim Kampf gegen Aids. Erstmals seit Bekanntwerden der heimtückischen Immunschwäche Anfang der achtziger Jahre hat die sogenannte Kombinationstherapie dazu geführt, daß Aids im Laufe des vergangenen Jahres von einer unheilbaren zu einer behandelbaren Krankheit geworden ist. Von Heilung zu sprechen ist aber noch zu früh. Denn das HI-Virus ist allenfalls "gefesselt, aber nicht besiegt" (ZEIT Nr. 27/1996).

Eine Forschergruppe der Universität Kalifornien hat vor kurzem beobachtet, daß sich im Reagenzglas rasch HI-Viren bilden, die gegen den Medikamentencocktail resistent sind. Selbst wenn die Mediziner siegen, bleibt die Kombinationstherapie mit jährlichen Kosten von bis zu 50 000 Mark für die meisten Kranken unerreichbar.

Neunzig Prozent der Infizierten leben in den Entwicklungsländern, und ein bezahlbarer Impfstoff gegen Aids ist nicht in Sicht.