Auch nach drei Jahren ist die Unabhängigkeit der Zentralbank in Frankreich nicht allgemein akzeptiert. Kein Wunder, daß der ersten Neuberufung zweier Mitglieder in den neunköpfigen Rat der Geldpolitik der Banque de France Signalwirkung zukam. Staatspräsident Jacques Chirac ernannte zwei enge Vertraute, einer davon früher ein bekennender Maastricht-Gegner - eine überraschende Entscheidung. Denn der Druck für europafreundlichere Kandidaten war groß gewesen. Doch Chirac lag an einer innenpolitischen Demonstration: Der direkt gewählte Präsident beschließt souverän und unbeeinflußt.

Das Spiel ist riskant. Es könnten Zweifel entstehen, ob der Präsident die Unabhängigkeit der Zentralbank und die Europäische Währungsunion wirklich will. Theoretisch gibt es künftig im Rat der Geldpolitik eine Mehrheit dafür, den Franc von der Mark abzukoppeln und über Zinssenkungen Frankreichs lahme Konjunktur zu stimulieren. Ob Chirac das will, ist fraglich. Denn damit wären die Früchte von fünfzehn Monaten Haushaltskonsolidierung und Euro-Vorbereitung gefährdet, die Präsident und Regierung mit sinkenden Popularitätswerten bezahlten. Außerdem würde Chirac in die Geschichte eingehen als der Staatschef, der das Jahrhundertprojekt Währungsunion scheitern ließ. Die Finanzmärkte jedenfalls reagierten gelassen auf die Ernennungen. Die erste Sitzung des neubesetzten Rates am 16. Januar werden sie jedoch mit großer Aufmerksamkeit verfolgen.