Der Westfälische Friede ist auch nicht weniger grausam als die anderen. Als Walhalla, Hannah Arendt oder der Diplomat. Ja, natürlich führt er ein Kartentelephon bei sich und ein Zugrestaurant, wo Ihr freundliches Mitropa-Team Sie gerne erwartet. Aber er reißt Menschen auseinander. Auf allen großen Bahnhöfen.

Achtung, auf Gleis eins fährt ein der Intercity 523, Westfälischer Friede

Menschen, die sich küssen, sich umarmen, sich die Hände schütteln.

Die von ewiger Liebe flüstern oder zerknirschte Geständnisse ablegen: "War dumm von mir, gestern abend." Oder anheben, noch einmal grundsätzlich zu klären, was am Wochenende nicht gesagt werden konnte. Und dann ist dafür doch keine Zeit mehr: "Laß uns ein anderes Mal darüber reden, nicht hier", wo die Umstehenden interessiert aufhorchen und die alte Frau mit der Wollmütze hingebungsvoll an ihrem Schal nestelt, um ja kein Wort zu verpassen von dem, was erst gesagt werden kann, wenn der Zug schon einfährt.

von Kiel auf der Weiterfahrt nach Nürnberg

Koffer, Tüten und Rucksäcke lagern auf dem Bahnsteig, Regenschirme und ein Paar Ski. Frauen mit Aktenkoffern, Männer mit Kleinkindern gehören zu dem Gepäck, Menschen in dikken Mänteln und Anoraks.

"Viel zuviel schleppe ich wieder mit mir rum", sagt die Rothaarige mit dem Kosmetikkoffer zu ihrer Freundin und meint es doch nicht so.