Annette von Droste-Hülshoff war "als Dichterin stets eine einsame Gestalt und blieb es bis zu einem gewissen Grade auch heute noch.

Ihr Ruhm ist in aller Munde, aber nur wenigen ist ihr Werk ein wirklicher Besitz geworden". Was Gertrud von Le Fort 1956 befand, hat sich bis in unsere Tage nicht grundlegend geändert, obwohl das Portrait der Droste mittlerweile den Zwanzigmarkschein ziert.

Das große Publikum hat von ihren Werken in der Regel die Erzählung "Die Judenbuche" gelesen und zwei bis drei Balladen, die in den Lesebüchern stehen, wie etwa "Der Knabe im Moor" und "Die Vergeltung".

Die Dichterin war schon als Frau in ihrer Zeit nicht einfach zu begreifen. Geboren auf Schloß Hülshoff am 12. Januar 1797, erhielt Annette, im Gegensatz zu den meisten Mädchen ihres Standes, gemeinsam mit der Schwester Jenny und den Brüdern eine sehr sorgfältige Erziehung. Sie war hoch musikalisch, sprachbegabt, von der Siebenjährigen sind erste Gedichte bezeugt. Aber sie galt auch als ein sehr sensibles, reizbares, nervöses Kind, auf das die Mutter ängstlich zu achten begann. Außerdem kränkelte Annette zeit ihres Lebens, was ihre Bewegungsfreiheit erheblich einschränkte.

Nach einer unglücklichen Liebesbeziehung, die zum Skandal wurde, verlebte Annette ihre wichtigsten Jahre im Rüschhaus auf dem Witwensitz ihrer Mutter, später auf der Meersburg bei ihrer Schwester in ständigem Zwiespalt zwischen Auflehnung und Gehorsam.

Von der Familie wurde sie, die Unverheiratete, als jederzeit verfügbare und ausnutzbare Verwandte betrachtet, ihr Schreiben als Marotte belächelt. Und sie selber mußte einen großen Teil ihrer Energie darauf verwenden, sich hartnäckig die Freiräume zu erkämpfen, die sie zum Schreiben brauchte. Das bedeutete immer wieder Streit mit Bruder, Schwägerin, Onkeln und Tanten und auch harte Auseinandersetzungen mit der Mutter.

Annette war mannigfachen Repressionen ausgesetzt: Ein lediges, katholisches Freifräulein im Westfalen der ersten Hälfte des 19.