Die junge Frau ist im dritten Monat schwanger, weint im weißen Brautkleid auf dem Krankenhausflur und bangt um ihren frischvermählten Gatten. Ihn haben die Ärzte gerade in den OP gezerrt. Ein anderer Patient, vom Griff in ein Messer übel zugerichtet, macht einer blonden Ärztin unsittliche Anträge. Eine verzweifelte Mutter sehnt sich nach einem Spenderherz für ihren todkranken Sohn. Trotz der Hektik in der Notaufnahme des "alphateams" verkennt die Arme nicht, daß dazu ein anderer Mensch "irgendwo da draußen" für ihr Kind sterben müßte. Sie sagt: "Das Leben ist grausam."

Fürwahr: Immer zudringlicher malträtieren uns die televisionären Abziehbilder der medizinischen Realität im Fernsehsessel. Nach "Flughafenklinik", "emergency room", "OP ruft Dr. Bruckner" jetzt also 27 Folgen der Arztserie "alphateam - Die Lebensretter im OP", deren Pilotfilm vergangene Woche auf Sat.1 ausgestrahlt wurde.

Ein Jahrzehnt nach Professor Brinkmanns "Schwarzwaldklinik" dokumentiert sich der Niedergang des Arztberufs auch auf der Mattscheibe: Die Kittelplage kennt kein Ende glotzen, bis der Arzt kommt.

"Wir haben alles mögliche getan", sagt ein Arzt des "alphateams", das nachts in einer fiktiven Hamburger Klinik wirkt. "Von den Machern" der Serie kann man das nicht behaupten. Sie beschränken sich auf das Nötigste, verzichten auf einen Plot und behelligen den Betrachter mit immer neuen Notfallopfern - Trage um Trage werden sie herbeigeschafft - und ängstlichen Angehörigen, die sich bald in absurder Zahl neben den Weißkitteln drängen. Den Wirrwarr kann - wie könnte es anders sein - die medizinische Heilkunst auflösen. Das Spenderherz trifft buchstäblich in letzter Minute ein, und der verwegene Eingriff am verletzten Gatten gerät zur Kür. Doch als Chefarzt Dr. Rainer Schirmer - laut Sat.1 "an den Grenzen seiner Belastbarkeit" - seiner achtzehnköpfigen Helferschar im Morgengrauen zur überstandenden Nachtschicht zuprostet, wirken die Protagonisten ganz ausgeschlafen. Vielleicht offenbart dies die Erfolgsformel der Fernsehärzte: Die Welt retten, ohne sich dabei den Kittel schmutzig zu machen.