ARD, dienstags: "Die Gang"

Gegen die Amerikanisierung der deutschen - und nicht nur der deutschen - TV-Unterhaltung ist kein Kraut gewachsen. Das ist gar kein Schaden, denn die Impulse von drüben sind öfter mal förderlich.

Und treffen ja doch auf landestypische Eigenheiten, mit denen sie eine neue, manchmal interessante Mischung eingehen.

Abzulehnen ist die US-Ästhetik, wenn sie als bloße Attitüde deutschen Verhältnissen aufgeklebt wird, die aus sich selbst heraus solche Haltungen und Tonlagen nie entwickeln würden. Der neudeutsche Fernsehthriller ist häufig in dieser äußerlichen Weise amerikanisiert - die Möchtegern-Coolness deutscher Cops und Krimineller ist meist schwer zu ertragen. Aber es gibt auch geglückte Fälle. Zu ihnen zählt "Die Gang".

Auch hier ist man so hart und lakonisch, wie es eigentlich nur "drüben" möglich ist, aber da die Serie in Hamburg spielt und dann auch noch im und am Hafen, wirkt das nicht aufgesetzt, sondern natürlich. Auch hat man einen Teil der Handlung gleich in die Staaten verlegt, was es dem Zuschauer erleichtert, die Lässigkeit der Neuen Welt als Ausdrucksqualität "seines" Krimi-Milieus zu akzeptieren. Kommt hinzu, daß Mario Adorf gerade mal nicht frei war und Stacy Keach, ein amerikanischer Film- und Fernsehstar, die Rolle des Oberschurken übernommen hat. So kam ein Pilotfilm zustande, der amerikanischen Thrill und hamburgische Nüchternheit auf geschickte Weise zu einer Atmosphäre verschmolz, die man mit dem Satz beschreiben kann: Amerika ist überall, aber deshalb bleibt Hamburg doch Hamburg.

Im Mittelpunkt der Serie steht die Sondereinsatzgruppe Hafen, genannt "die Gang", in der Polizei, Zoll, Hafenbehörden und BKA zusammenarbeiten. Die vier Musketiere, die da gegen den internationalen Schmuggel und seine Hintermänner zu Felde ziehen, allen voran ihr Chef Joe Feddersen (Uwe Ochsenknecht), setzen neben Intuition, Tatkraft und Pistolen auch ihren Zusammenhalt ein und werden all den Asozialen, die sich nach Löschen gefährlicher Ladung davonstehlen wollen, schon noch die Hölle heiß machen.

Im Pilotfilm bewies Regisseur Hajo Gies ein ungewöhnliches Gespür für starke, manchmal fast überbordende Bilder, in denen der Hafen mit seinen Quais und Containern, in denen Schiffsbäuche, Polizeireviere, Paten-Suiten und amerikanische Wohnwagen erstrahlten wie die Ausgeburten einer psychedelisch inspirierten Phantasie. Diese optische Opulenz versöhnte mit Brüchen der Handlung und gab dem Film eine Klasse, von der man nun hofft, daß die Serienfolgen sie halten.