In der Wesermündung bei Bremerhaven treiben die Eisschollen. Festgefroren im alten Hafen liegt die Seute Deern, daneben der Segelkutter Grönland. Ein ungemütlicher Nordost pfeift um das Columbuscenter.

"Na und?" fragt Professor Heinz Miller und würdigt das Wetter draußen mit keinem Blick. Normal. Was die Leute immer haben. Ganz normaler Winter, das.

Er muß es wissen. Heinz Miller leitet die Sektion Geophysik am Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung und ist Glaziologe.

Ein Gletscherforscher also, und für den beginnt der Spaß erst jenseits der Packeisgrenze. Nichts täte Heinz Miller jetzt lieber, als sich in Punta Arenas im äußersten Süden Chiles auf der institutsseigenen Polarstern einzuschiffen. Einmal um Kap Hoorn, und dann nichts wie rein in die Antarktis, das wär doch was. Allein, das kann er sich höchstens alle paar Jahre leisten.

"Erst wenn es auf Expedition geht", sagt er, "bewegt man sich wieder auf vernünftigem Gelände." Vernünftig ist für Heinz Miller ein Gelände, das möglichst tief unter Eis vergraben liegt.

Vielleicht muß man das so sehen, wenn man aus Innsbruck stammt und die Ötztaler Alpen vor der Haustür hatte. Schon den Gletschermann Ötzi zog es vor Tausenden von Jahren ins ewige Eis. Andererseits: Alfred Wegener war von Geburt Berliner, und der tragische Südpolreisende Robert Falcon Scott stammte aus Plymouth in Cornwall. Es muß was mit den Genen zu tun haben. Oder mit dem Gemüt. "Es stimmt schon", räumt Heinz Miller ein, "Polarforscher spinnen alle."

Heinz Miller ging schon früh als Gletscherknecht bei den Wissenschaftlern mit, die das Verhalten der alpenländischen Eismassen studierten.