POTSDAM. - Kaum erschienen, schon vergriffen: So begehrt war der "Angebotskatalog historischer Gebäude", so mächtig offenbar der Traum vom eigenen Schloß, vom selbstbewirtschafteten Gutshof, daß alle 3000 gedruckten Exemplare schon nach wenigen Tagen verteilt waren. "Alte Häuser suchen neue Nutzer" heißt der dunkelblaue Band, herausgegeben von den Brandenburger Kultur-, Wirtschafts- und Finanzministern - "dringend!" hätten sie noch hinzusetzen können, denn obwohl der Katalog reißenden Umsatz fand: Nur wenige suchen alte Häuser.

Es waren eher Liebhaber als Investoren, die sich den Band besorgten, in dem für die fünfzig angebotenen Herrenhäuser und Landresidenzen liebevoll die Geschichte, die Lage und der Baustil beschrieben werden, schön illustriert mit Photos und Grundrissen und versehen mit allen wichtigen Adressen und Telephonnummern. Doch trotz der mangelnden Resonanz: Es gibt auch Ausnahmen. So meldete sich beim Amt Prenzlau Land ein Investor aus Dresden, der für eine Privatschule die passende Unterkunft sucht und sich für die Gutsanlage Zernikow interessierte.

Aus dem späten 17. Jahrhundert stammt der zweigeschossige Fachwerkbau, liegt an einem der vielen Seen der Uckermark, nicht viel mehr als hundert Kilometer nördlich von Berlin. Durch die Bodenreform der DDR wurde das Zernikower Gutshaus enteignet, so wie viele andere der leerstehenden Herrschaftsbauten im Osten Deutschlands, und für die Gemeindeverwaltung genutzt. Noch heute gibt es dort den Gemeindesaal, in dem Rentner und Feuerwehrleute ihre Feste feiern. Die Kommune kann es sich aber nicht mehr leisten, das Gebäude zu erhalten - so wie viele Gemeinden in den östlichen Bundesländern leidet sie unter ihrem einstigen Prachtbau.

"Armut ist der beste Denkmalpfleger" - das stimmte zwar über Jahrzehnte: Die originalen Dachpfannen, Fensterrahmen oder Türklinken sind an vielen der historischen Bauwerke dank der DDR-Mangelwirtschaft noch erhalten. Doch jetzt, nachdem beinahe alle Gebäude leer stehen, weil Altenheime, Krankenhäuser und Kindergärten aufgelöst wurden oder umziehen mußten, droht der rasche Verfall. So ist man in Zernikow und andernorts froh, wenn sich überhaupt ein Käufer findet, der dann noch Geld in die Restaurierung stecken muß.

Der Immobilienerwerb als unkalkulierbares Abenteuer: Vielleicht deshalb findet sich so selten ein Käufer für die alten Bauten.

Denn eigentlich wären die oft großen Häuser als Hotels oder Tagungsquartiere hervorragend geeignet, viele liegen eingebettet in Wasser und Wald mitten im Ausflugsland der Berliner. Darauf spekuliert auch der Angebotskatalog (von Mitte Januar an wieder erhältlich) - neben "Fledermausgauben" und "Biberschwanzkronendeckung" ist dort viel von Standortvorteilen und touristischer Nutzung die Rede.

Ebenfalls hofft man darauf, es könnten einige ärmere Staaten ihre Botschaft in die preisgünstigere Peripherie der neuen Hauptstadt verlegen.