Basel, so zitierte unlängst der Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung stabreimend unseren Bundesbank-Präsidenten Tietmeyer, Basel sei "das Zentrum der Zusammenarbeit der Zentralbanken geworden".

Die Notenbankchefs der zehn größten Industrienationen blicken hier bei monatlichen Treffen längst über den engen europäischen Tellerrand hinaus und widmen sich "globalen Aufgaben", den "länderübergreifenden Fragen der Banken- und Wertpapieraufsicht" etwa den Finanzsystemen, welche "vor allem die Reformländer besonders interessieren" den "Risiken bei Zahlungsverkehr und Devisen" dem "elektronischen Geld" samt den dortigen "Fragen nach Sicherheit, Abwicklung und Konsequenzen auf Geldpolitik und Fi skus".

Ein Schelm, der annimmt, hier klopfe man sich länderübergreifend auf die eigenen Finger oder gar an die eigene Brust grübele mit Kantschem "interesselosen Wohlgefallen" darüber, welches Finanzsystem wohl Reformländern wie Bosnien, den Tutsis oder den Separatisten in Assam und welches den Menschenrechten in China, Ost-Timor oder der Türkei hülfe werde gerade die Software entwickelt, mit der in der Arbeitslosigkeit vereinigte Proletarier aller Länder sich um die Sicherheit ihres steuerflüchtigen e lektronischen Geldes sorgen.

Wenige Schritte vom Schaltzentrum der ökonomischen Macht am oberen Ende der Basler Freien (!) Straße entfernt, kämpft ein noch sechsunddreißig Jahre junger neuer Theater-Prinzipal weniger gegen globale, gleichviel existentielle Probleme. Michael Schindhelm, von Haus aus Quantenchemiker (und als solcher mit Energie-Zuständen und -Potentialen durchaus vertraut, freilich mehr im Mikro-Bereich der Atome), fungiert seit Beginn dieser Spielzeit als Intendant der Basler Theater - und versucht zu zeigen, daß und wie man auch mit einem arg zusammengestrichenen Etat, dazu an einem künstlerisch wie in der Publikumsakzeptanz ziemlich heruntergewirtschafteten Institut, respektable Produktionen vorzeigen kann.

Im Juni 1994 hatte die Basler Stadtregierung beschlossen, die bis dahin auf 36,2 Millionen Franken gestiegenen Subventionen ab 1996/97 auf 29,5 Millionen zu kürzen (Ironie des Augenblicks: zur gleichen Zeit hatte sie 10 Millionen genehmigt für den Umbau einer veralteten Messehalle zu einer Bühne für Eynar Grabowskys Vermarktung der Webberschen Musical-Ohrwürmer). Die Streich-Ankündigung war seinerzeit Anlaß zu einer Farce eigener Art: Der seit neun Monaten amtierende Intendant Wolfgang Zörner trat zurück - und kassierte lukullisch die Erfüllung seines kompletten Vertrages: achthunderttausend Franken die Hypothek rangiert heute in voller Höhe unter "Direktionswechsel" im geschrumpften Etat des Hauses.

Bis zur Spielzeit 2000/01 hätten weitere 4,2 Millionen eingespart werden sollen - insgesamt also eine Gesamtreduktion von über dreißig Prozent. Das drohende Desaster hat Michael Schindhelm vorerst abmildern können: Er bekam für seine erste Spielzeit noch 32 und wird im Jahre 2001 bei 29 Millionen landen. Gleichviel konnte Schindhelm im Hause selbst auch nur mit Rigorosität operieren: reduzieren, wo immer es nur geht. Aber 31 Premieren in den drei Sparten - das will von deutschen Stadt- und erst recht den Staatstheatern immer noch oder erst einmal übertroffen werden. Die beiden letzten Musiktheater-Produktionen scheinen mir symptomatisch und lehrreich zugleich.

Am Anfang war die Minne - die vergeistigte Liebe zu einer schönen Frau. Dafür schlugen sich Helden ohne Zahl durch Gefahren aller Art, überstanden Intrigen und Naturwidrigkeiten, göttliche Eingriffe und irrationalen Zauber, besiegten einander und sich selber. Die wahren wie die erfundenen Geschichten, die ein solches Leben schreibt, dienten dann "zur Belustigung und Erholung der Herrschaften und edelgesinnter Leute und Damen", wie Ludovico Ariosto es (um 1516, in dem hinfort immer wieder zu Opernzwecken ausgeschlachteten "Orlando furioso") formulierte.