Eigentlich sollte die Privatisierung der zweitgrößten Bank des Landes nur noch ein Verwaltungsakt sein. Österreichs staatlich dominiertes Bankenwesen gilt bei den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP schon lange als überholt. Beide eint die gemeinsame liberale Grundhaltung und das Interesse, dem Populisten Jörg Haider keine Argumente zu bieten - zumindest in der Öffentlichkeit. Hinter den Kulissen freilich geriet die Privatisierung längst zum Parteienkampf.

Nun sehen sich die Gegner gezwungen, auf offener Bühne weiterzukämpfen.

Anfang Dezember entschieden Vorstand und Aufsichtsrat des Marktführers Bank Austria, ein Angebot für die 70 Prozent Bundesanteil an der Creditanstalt (CA) vorzulegen. Finanzminister Viktor Klima (SPÖ) gab zu erkennen, daß er die Offerte - mit knapp 2,4 Milliarden Mark die höchste - annehmen wolle. Klimas Kabinettskollege Wolfgang Schüssel, zugleich ÖVP-Chef, wertete das Angebot dagegen als "Kampfansage" und verlangte ultimativ, es "auszuscheiden".

Vieles spräche für die Fusion der beiden Banken: Kein österreichisches Kreditinstitut ist aus heutiger Sicht dem freien Wettbewerb im künftigen Euro-Raum gewachsen. Sowohl Bilanzsummen als auch Profitraten sind viel zu klein. Das Problem ist: Die CA gilt als eine "schwarze", die Bank Austria als eine "rote" Bank.

Der Branchenführer ist 1990 aus der Fusion der Wiener Zentralsparkasse mit der Länderbank entstanden. Von der Sparkasse des "Roten Wien" ist zwar nur noch eine Anteilsverwaltung übriggeblieben, die blieb aber am Gängelband der Gemeinde und hält stattliche 46 Prozent der Bank-Austria-Anteile. Und mit deren Privatisierung haben es die Roten sowenig eilig wie die Schwarzen mit der Creditanstalt.

Die ist, 1855 von der Familie Rothschild gegründet, die Bank der konservativen Wiener Gesellschaft.

Daß die Parteien in die Geschäftspolitik hineinregieren, wird auf beiden Seiten heftig bestritten, personeller Austausch herrscht allerdings schon: Bundeskanzler Franz Vranitzky zum Beispiel stammt aus der Länderbank, und Klimas Amtsvorgänger Ferdinand Lacina leitet heute den Branchendritten GiroCredit. Politische Rücksichten dämpfen zwar den Gewinn, steigern aber die persönliche Macht. Außenseiter stören da nur: Der Schweizer Crédit Suisse verstörte 1994 mit der Drohung, die CA "entpolitisieren" zu wollen.