OVERATH. - "Nur der Titel, nicht die Mittel", beschreibt Heinz-Willi Schwamborn, ehemaliger Gemeindedirektor von Overath im Rheinisch-Bergischen Kreis, die Veränderungen und winkt ab. Mit dem 1. Januar 1997 ist der Verwaltungschef bei gleichem Salär zum Stadtdirektor aufgestiegen.

Eine Karriere? Schon, aber eigentlich nicht die Schwamborns, sondern die Overaths. Denn die Gemeinde, die mit Köln und Bonn ein fast gleichschenkliges Dreieck auf der Landkarte bildet, ist zur Stadt geworden. Genauer gesagt zu einer von 116 "Mittleren kreisangehörigen Städten" im Sinne von Paragraph vier der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung. Dies ist nicht etwa das Ergebnis höherer Ambitionen der Overather Stadtväter. Es handelt sich um einen nüchternen verwaltungsrechtlichen Vorgang, der schlichtweg nicht abzuwenden war. Und zwar deshalb nicht, weil die Gemeinde Overath an drei Stichtagen in den Jahren 1993 und 1994 (und seitdem ununterbrochen) mehr als 25 000 Einwohner zählte. Danach ist's vorbei mit dem beschaulichen Gemeindedasein, dann heißt's, erwachsen werden, nämlich Stadt. So will es das Gesetz.

Auch wenn so eine kommunale Beförderung nur selten vorkommt und letztes Jahr im ganzen Bundesland nur einmal: Der zuständige Beamte im Innenministerium nennt die Angelegenheit, die der Gemeinde viel Mühe bereitet und ihren Direktor in Erklärungszwang versetzt hat, trocken einen Routinevorgang. Denn eine Statusveränderung geht damit nicht einher. Die Bezeichnung als Stadt verleiht keine zusätzlichen Rechte, sie ist lediglich, so heißt es im kommunalrechtlichen Kommentar, "ein rechtstechnisches Hilfsmittel" für die landesrechtlichen Zuständigkeitsregelungen im Rahmen des "gestuften Aufgabenmodells".

Selbst dann, wenn die Gemeinde das Ereignis mit Blasmusik und so weiter und so fort begeht. Fortan muß sich die örtliche Verwaltung nach dem Gesetz beispielsweise als untere Baubehörde betätigen, Verkehrslenkung und -sicherung betreiben und die Rettungswache unterhalten. Allesamt Belange, für die bisher der Kreis zuständig war.

"Aussuchen gilt dabei nicht", erklärt der Ministerialbeamte in Düsseldorf. Das wäre ja noch schöner, dann würden sich die Städte auf lukrative Verwaltungstätigkeiten wie das Knöllchenschreiben beschränken und unbequeme Aufgaben dem Kreis überlassen. Praktischerweise konnte die frischgebackene Stadt Overath von der Kreisverwaltung aber drei Mitarbeiter des Bauamtes übernehmen. Für Wohnungs- und Verkehrsangelegenheiten wurde jeweils ein neuer Mitarbeiter eingestellt.

Und das Sozialamt mußte umziehen, um Platz für das Bauamt zu machen.

Die neuen Zuständigkeiten könnten aber auch zu mehr Bürgernähe führen: Während es früher vom entlegensten Zipfel Overaths achtzehn Kilometer zum Bauamt bei der Kreisverwaltung waren, sind es jetzt höchstens sechs. Ein neues Siegel hat die Gemeinde auch angeschafft - mit der neuen Bezeichnung und dem alten Wappen. Die Stadtväter sind nicht ganz glücklich darüber, daß die Veränderung die Kommune in wirtschaftlich so schwieriger Zeit getroffen hat. Aber daß die Stadt die magische Grenze von 25 000 Einwohnern in den nächsten Jahren dauerhaft um mehr als zehn Prozent unterschreiten wird, glaubt auch der Stadtdirektor nicht. Nur dann könnte sich Overath per Antrag wieder von der Städteliste streichen lassen. Erwachsen ist eben erwachsen.