Personalcomputer haben auch über zwanzig Jahre nach ihrer Erfindung eine äußerst unangenehme Eigenschaft, selbst jene vielgepriesenen Elektronengehirne aus dem Hause Apple: Sie geben plötzlich den Geist auf und teilen dem irritierten Nutzer mit: "Entschuldigung, es ist ein Systemfehler aufgetreten." Da hilft nur noch, den Rechner aus- und wieder einzuschalten.

Im vergangenen Jahr ging es dem Computerkonzern Apple ganz ähnlich.

Es kam zum Crash: Marktanteil, Umsatz, Gewinn, Aktienkurs - alles stürzte ab. Diese Woche kündigte Gilbert Amelio, der Chef des einstigen Kultunternehmens, jetzt den Neustart an - mit einer programmatischen Rede auf der MacWorld, der großen Apple-Messe in San Francisco.

Das Unterfangen dürfte freilich weit schwieriger sein, als einfach einen Schalter umzulegen: "Alle Welt wartet jetzt darauf, ob Apple wieder zur technologischen Nummer eins der PC-Branche werden kann", meint John Markoff, Korrespondent der New York Times im kalifornischen Silicon Valley, der Apple-Heimat.

Die Basis für den neuen Start hat Amelio in den vergangenen Monaten schon gelegt. Kurz nachdem er im Februar den glücklosen Deutschen Michael Spindler abgelöst hatte, startete er ein einschneidendes Sparprogramm. Jeder vierte Apple-Beschäftigte verlor seinen Job, die Belegschaft schrumpfte auf 13 000. Damit Apples Marktanteil von derzeit nur noch fünf bis acht Prozent aller neuen PCs nicht noch weiter sinkt, senkte Amelio zudem im Herbst die Preise radikal auf das Niveau der billigeren Konkurrenz: Der einfachste Power Macintosh etwa kostete in den Vereinigten Staaten über Nacht statt 2300 nur noch 1600 Dollar.

Zwar sackte der Umsatz 1996 von rund 11 Milliarden auf 9 Milliarden Dollar ab. Aber die Finanzlage hat sich etwas gebessert: Im ersten Quartal nach seiner Amtsübernahme meldete Amelio noch einen Rekordverlust von 740 Millionen Dollar. Die drei folgenden Monate schloß der Manager überraschend mit einem Gewinn von 25 Millionen ab. Für das vergangene Vierteljahr kündigte er freilich wieder rote Zahlen zwischen 100 und 150 Millionen an.

Doch mit den Aufräumaktionen, das weiß auch Amelio, wird Apple kaum die technische Führerschaft zurückgewinnen. Dazu muß das Unternehmen die Festplatten seiner Rechner schon mit einem neuen Betriebssystem auffrischen. Denn seitdem Konkurrent Microsoft Windows 95 anbietet, ist das Programm von Apple, System 7 genannt, nicht mehr das mit Abstand nutzerfreundlichste der PC-Branche.